Alex auf der Green Valley Ranch, Tschechien

Green Valley Ranch, ein Reisebericht

~ in Canada ~

Überrascht war ich, Tschechien und Westernreiten, den Cowboy spielen, das passte einfach nicht zusammen, denkt man(n)...

Eine Freundin hatte mir den Tipp gegeben, sie wusste, nach einigen Trips über den großen Teich von der heißen Wüste Arizonas bis hin zum überwältigenden Nordenwesten Kanadas war ich verwöhnt. Und doch meinte sie "Alex, das könnte was sein, fahr' doch mal hin und schau’, ob das was ist…".

Ich musste nicht lange überlegen, alleine die Fakten haben einiges dazu beigetragen, mich mit dem Gedanken anzufreunden, einen Sternritt in Tschechien zu buchen. Nicht nur, dass man keinen teuren Flug buchen und bezahlen muss, auch der Preis an sich und die erstaunlich einfache, kostenfreie Überweisung sowie das eigene Auto dabei zu haben festigten meinen Entschluss. Spätestens aber nach meinem ersten Telefonat mit Leila, der Chefin von Metlice (Hans möge mir verzeihen), war ich sicher: das wird was.

Ein Termin wurde schnell gefunden und so trugen mich meine vielen, automobilen Pferde über Nürnberg, Regensburg, Passau, Linz und Bad Leonfelden schließlich zuverlässig nach Rozmberk. Was ich vorgefunden habe, lässt sich nur schwer beschreiben, ich will es trotzdem versuchen:

Natürlich hatte ich nicht richtig zugehört und natürlich habe ich mich auch nicht verfahren, aber Leila hatte schon viel Geduld als ich dann doch das vierte Mal nach der Grenze angerufen habe und sie mir immer noch bestätigt hat "Ja, Alex, Du bist immer noch richtig.". Sie hatte Recht und ich habe auch die kleine Abzweigung in Rozmberk gefunden die auf die Ranch führt.

Eine echte Westernranch ist es nicht, so mit riesigem Eingangstor und Kuhschädel oder so drüber, es fällt auch auf den ersten Blick schwer, eine Ranch an sich zu erkennen, das ist aber so gar nicht wichtig, denn diese saftigen Wiesen, die dich anlachen, die Landschaft an sich entschädigen einen sofort.


Nach der Ankunft mache ich erst mal einen Abstecher in die gute Stube der Ranch und wäre beinahe am tschechischen Bier hängen geblieben. Da war aber noch mehr, vor allem waren da die berühmten Criollos, auf meinem Weg bis zum Ranchhaus hatte ich noch keinen einzigen erspähen können. Neben dem Stall steht eine Gruppe von Warmblütern, aber Criollos sind das nicht. Ich frage Leila und sie zeigt sie mir, sie stehen im Schatten auf einer der vielen Koppeln rund um die Ranch (das müssen so 2 bis 3 Hektar sein, was man so direkt sehen kann…). 10 Stück zähle ich, Leila platzt fast vor Stolz und ich fast vor Neid. Sie sind wirklich wunderschön, ganz anders als man sie von Bildern oder aus dem Fernsehen kennt.

~ Charly ~

Dann kommt er auch schon auf mich zu, der Charly, will mal sehen wer da so rum steht und ob der ihn vielleicht streicheln kann, im Optimalfall vielleicht sogar etwas zu naschen hat. Schon nach einer Stunde weiß ich, es kann kein Fehler gewesen sein, hierher zu kommen.

Abends wird dann unter der gewaltigen Eiche vor dem Ranchhaus ein Lagerfeuer angemacht und gegrillt, das erste von vielen Abendessen unter freiem Himmel mit den Pferden auf der Koppel direkt dahinter schmeckt köstlich, das gute Pilsner Urquell vom Fass (zu wirklich sensationellem Preis) und natürlich die Geschichten von Hans in originalem tschechisch-bayrisch tun das Ihre um das Ganze zu einem Erlebnis zu machen.

Am nächsten Tag soll es endlich losgehen, ein kleiner Orientierungsritt um sich an Pferde und Landschaft und vor allem aneinander zu gewöhnen.

Leila und Hans gehen dezent, aber professionell vor, am Abend vorher checken sie mündlich die reiterlichen Fertigkeiten schon mal vorab, um heute das richtige Pferd auszuwählen. Es sollen ja alle ihren Spaß haben.

Ich bekomme Crazy, der Name macht mich schon ein wenig nervös. Auch die Tatsache, so Leila, dass er nix für Anfänger ist. Putzen und satteln waren kein Thema,

~ Crazy ~
beeindruckt hatten mich einerseits die Reitinstruktionen auf tschechisch-bayerisch von Hans und das Gespräch am Vorabend mit Leila, im Verlaufe dessen sie mir eine kurze Einführung in die Sensibilität der Criollos, insbesondere von Crazy, gegeben hatte.

Dann geht’s zunächst zu Fuß los und dann außerhalb der Ranch aufs Pferd. Es erweist sich als hilfreich, zum großen Teil die Wahrheit erzählt zu haben und so kann ich Crazy gut kontrollieren. Anders meine "Mitreiter" dieser Woche, zunächst hatte sich Charly schon wieder in mein Herz geschlichen als er seinem zukünftigen "erfahrenen" Reiter schon beim Satteln die Weste vernichtet hatte. Beim Ausritt selbst sieht man sehr schnell, dass die Englische und die Western Reitweise doch nur im Ansatz verwandt sind. Also Leute seid ehrlich und schätzt Euch realistisch ein, passiert ist nix nur ich hatte halt den Eindruck weder Pferd noch Reiter hatten viel Spaß zusammen. Es gehört sich halt nicht für einen Cowboy jeden Schritt das Pferd treiben zu wollen. Zudem gibt es auch klassisch englisch zu reitende Warmblüter die die Landschaft stressfrei für Pferd und Reiter erschließen können.

Die anfängliche Nervosität legt sich (na ja fast) und ich konnte zu genießen beginnen. Crazy war wirklich sehr sensibel was von mir nicht wirklich behaupten konnte. So waren wir halt beim Einführungsritt um die Ranch entsprechend flott unterwegs (fragt Hans wie viele Runden Schnaps das am Abend waren, ich wollte es vergessen). Mit jeder Minute hat sich das aber gebessert und ich war gespannt auf den ersten kompletten Reittag.

War es das Bier oder die frische Luft oder beides, ich hatte auf jeden Fall sehr gut geschlafen und war am nächsten Morgen gespannt auf die zu erlebenden Abenteuer. Natürlich habe ich mich auch auf Crazy gefreut, hatte sich doch am Nachmittag des Vortages und am Abend auf der riesigen Koppel neben dem Lagerfeuer unsere bislang flüchtige Bekanntschaft weiter verbessert.

Geputzt und gesattelt war entsprechend schnell und dann ging es los in eine atemberaubende Landschaft. Die Gegend um die Green Valley Ranch ist geprägt von Wiesen und Wäldern mit nur sehr wenigen störenden Zäunen. Ich war begeistert und meinen Mitreitern ging es nicht anders, wenn man sich an sein Pferd gewöhnt hat und den Blick entsprechend abschweifen lassen kann ist man von dieser unmittelbaren Natur sehr beeindruckt.

Ich habe mich die Tage oft mit Hans unterhalten und so einige Erklärungen bekommen. Das ehemalige Zonenrandgebiet (keine Angst, ich habe keine Warnschilder vor Minenfeldern gesehen) war und ist entsprechend dünn besiedelt. Das erklärt warum sich diese Landschaft ihre Einzigartigkeit bewahren konnte und warum Industrie oder Großstadtlärm weit entfernt bleiben.

Nach ca. drei Stunden hat Hans dann zur Mittagsrast angehalten. Ein weiteres beeindruckendes Erlebnis, natürlich wird abgesattelt nachdem Hans mit einem Trassierband einen Mini-Paddock gebaut hatte. Aber auf Grillen über einem kleinen Feuerchen (man stelle sich das mal in Deutschland vor) mit dazwischen grasenden Pferden war ich nicht vorbereitet.

Besonders hat sich hier wieder Charly hervorgehoben, war er auf der Suche nach einem kleinen Stück Brot doch immer für eine kleine Streicheleinheit zwischendurch zu haben und hat es gar nicht gern gesehen, wenn man für ein paar Minuten die Augen zu einem Nickerchen schließen wollte. Am Nachmittag haben wir dann das Wald- und Wiesengebiet verlassen und sind an der Moldau zur Ranch zurück geritten. Wieder eine ganz andere Landschaft, aber nicht minder beeindruckend.

Die weiteren Tage vergingen wie im Flug nach Crazy bin ich auf Cookie umgestiegen (der Himmel und Leila weiß warum) und Hans hatte immer wieder eine Überraschung parat, das begann mit der Moldau Durchquerung auf dem Pferderücken, die Mittagspause mitten im Dorf unter Apfelbäumen und nicht zuletzt die Kostproben internationalen und tschechischen Liedgutes, die auch die Pferde (glaube ich) immer wieder beeindruckt haben. Ach ja, und Vieh haben wir auch spontan getrieben, die gibt’s auf der Green Valley Ranch auch, 150 Stück als Nebenerwerb neben dem Reitbetrieb. Und die verlaufen sich halt gelegentlich und müssen wieder auf den rechten Weg gebracht werden.

Die fünf Tage vergingen wie im Flug und ich weiß auch nicht warum, aber ich hatte noch Urlaub übrig und so habe ich mich spontan entschlossen noch ein paar Tage länger zu bleiben. Ich habe es nicht bereut. Außerdem hat man ja wirklich viel von Leila über die Stammgäste gehört und da musste ich auch meinen Teil dazu beitragen so schnell wie möglich in diesen elitären Kreis aufgenommen zu werden (Gruß an die (noch) Unbekannten berühmten Tiroler).

Wie Eingangs erwähnt bin ich schon weit gereist, um auf dem Rücken eines guten Pferdes meinen Urlaub zu verbringen, aber was ich in Metlice (der tschechische Name für die Green Valley Ranch) vorgefunden habe, ist überraschend und eigentlich unbeschreiblich. Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn eine besondere Attraktion hervor zu heben, es ist das Gesamtbild und die Pferde was die Green Valley Ranch zu einem besonderen Erlebnis macht.

© Alex. Sonntag, alle Rechte vorbehalten    [ große Fotos ]

PS:
Inzwischen hat Alex ein eigenes Pferd…
3x dürft Ihr raten:
klaro… einen Criollo von der Green Valley Ranch!







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