Almut auf der Dryhead Ranch, MT

Hi,
ich war dieses Jahr mal wieder auf der Dryhead Ranch in Montana und mir hat es wieder super gefallen. Vor vier Jahren, als ich das erste Mal dort war, hatte ich meine Hoffnungen nicht zu hoch geschraubt, falls ich enttäuscht werden würde... Aber es war einfach klasse!

Nachdem ich mich schlau gemacht hatte und viele Ranches angeschrieben hatte, fiel meine Wahl auf die Dryhead Ranch, weil die nur maximal sechzehn Gäste nehmen, über 100 Quarter Horses haben, über 1.000 Rinder und ca. 5.000 Hektar Land zu bewirtschaften.

Das hörte sich nach toller Ranch mit viel Arbeit an. Und ich wollte auf eine authentische Working Ranch. Die Gastfreundlichkeit der Ranchfamilie ist phänomenal, man fühlt sich fast wie ein Familienmitglied, alle sitzen beim Essen zusammen, das reichlich ist und gut schmeckt.

Die Unterkünfte sind verschieden vom Bunkhouse - sehr einfach - bis zum Ranchhouse, welches recht schnuckelig ist und meine Behausung für die Woche im Herbst 2003 war.

Das Beste an der Ranch war, dass alle nur englisch sprachen. Das ist richtig Cowboy Country, besser als wenn Schweizer auf Norwegern in den Rocky Mountains Schwietzer Düütsch mit mir reden! (wurde mir auch angeboten per Post) Dafür brauche ich nicht in die USA zu fliegen.

Morgens um 7 Uhr ist Frühstück, danach rauf auf die Pferde und an die Arbeit.

Dieses Mal wurden allerdings erst die schon am Vortag eingefangenen Zuchtstuten auf Trächtigkeit vom Tierarzt getestet, die Fohlen von ihnen getrennt und diese zur Winterranch gebracht. Danach brachten wir die Stuten auf eine neue Weide, bzw. zeigten ihnen den Weg. Da sie sehr schnell waren, kann von bringen keine Rede sein. Wir sahen zum Schluss nur noch eine Staubwolke!

Am nächsten Morgen ging es dann einen langen Weg rauf in die Berge, in kleinen Gruppen wurde nach Rindern gesucht. Berg rauf, Berg runter, rundherum und durch Gräben, Büsche, Steinformationen usw. Jedes Mal Freude, "oh, wieder ein paar Kühe!" Her damit.

Nur wollten die nicht immer so, wie wir das wollten. Da mussten wir schon mal etwas schneller den Berg runter und den Weg abschneiden. Das ist ein Gaudi!!! Das nenn ich Cowboy spielen.

Wenn dann die Herde zusammen ist, wird in aller Ruhe die Riesenherde, jedes Mal ca. 300 Tiere, zur Ranch getrieben. Am Ende der Herde sind die Baby Chaser, die aufpassen, dass keine Kälber zurückbleiben. An der Seite die Reiter, die auch mal losspurten können oder wollen, um ausreißende Kälber mit Müttern wieder einzufangen.

Ich war meistens an der Seite, weil wir dieses Mal einige Reiter mit dabei hatten, die nicht wussten was sie machen sollten oder keine Lust hatten, aufzupassen. Die ritten zum Beispiel mitten in der Herde, weil man doch auf der Strasse viel gemütlicher reiten kann!!! Dass die Herde dort bleiben sollte, und von ihrem Pferd natürlich vertrieben wurde, war ihr nicht klar!

Es ist ein wahnsinnig tolles Bild, wenn in dieser faszinierenden Landschaft eine Rinderherde von dieser Größe, alle schwarz, vor einem herzieht und sich von den Cowboys lenken lässt. Man fühlt sich wie in den wilden Westen zurückgesetzt.

Die Kälber dieser Herde wurden auf der Ranch entwurmt und geimpft und am nächsten Tag von uns wieder raus gebracht mit ihren Müttern. War das ein Gemuhe, bis die Kälber ihre Mütter wiederhatten, die sind doch alle schwarz!!!!!

Ein Tag später wurde eine neue Herde reingeholt, wieder Rumklettern in den Bergen, manchmal wurde mir da schon etwas mulmig bei den Steigungen, aber wenn man DEN Pferden nicht vertrauen kann mit ihrer Trittsicherheit, dann weiss ich nicht, welchen.

Am Ende des Tages war auch diese Herde im Corral der Ranch. Dies bedeutet sechs bis sieben Stunden ununterbrochen im Sattel. Meinen mitgenommenen Apfel als Mittagessen habe ich auf dem Pferd gegessen. Nur einmal musste ich absteigen...

Am letzten Tag haben wir die aussortierten Zuchtbullen auf ihre Winterweide getrieben und auf dem "Rückweg" verloren gegangene Stuten mit Fohlen zur Ranch gebracht. Da der Weg sehr steil und schwierig war und Stuten immer sehr, sehr schnell laufen, wenn sie Reiter sehen (auf Pferden, versteht sich), wurde unsere Gruppe geteilt.

Ich wollte mir einen gemütlichen letzten Ritt verschaffen, einen Kojoten heulen hören und sehen, schöne Gegend genießen und bin deshalb in die Gruppe gegangen, die zur Not den Stuten den Weg versperrt. Pustekuchen!! Diesen steilen Aufstieg werde ich so schnell nicht vergessen. Aber es war irgendwie stark! Als ich oben ankam, war ich doch irgendwie stolz, oben angekommen zu sein, denn ich bin gelaufen!!! Das wollte ich dem Pferd nicht zumuten, obwohl es ja Arbeitspferde sind. Es wäre wahrscheinlich schneller oben gewesen mit mir auf dem Rücken als zu Fuß nebenher, aber ich war fit!!

Dann war auch schon der Moment der Abreise da. Traurig wie immer, verabschiedete sich die ganze Familie von einem mit Umarmungen. Man kommt als Fremder und geht als Freund, wirklich. Dieses Mal kannten sie mich ja schon vorher, da war es natürlich schöner.

Ich hatte noch eine Woche vor mir mit einer Amerikanerin, mit der ich in den Yellowstone Nationalpark in Wyoming gefahren bin, und nach Cody, einer Westernstadt auch in WY. So war der Abschied nicht ganz so schlimm von der Ranch, und ich weiss, ich komm bestimmt wieder!

Almut C.

pictures © Steffi Pilz





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