Andrea R. auf der Williams Family Ranch, Arizona
Oktober 2002

Meine Freundin Chrissi und ich hatten schon lange den Traum einen Ranchurlaub zu machen und mal die zivilisierte Welt zu verlassen. Irgendwann wurde dieser Wunsch so übermächtig und plötzlich hatten wir das Passende im Internet gefunden und ruck zuck war alles gebucht.

Der Flug war schon unglaublich schön, wir flogen über Grönland und haben schneebedeckte Berge gesehen. Selbst das war schon diese Reise wert.

Wir kamen heil runter und Bob holte uns ab. Sabine und Christian, die auch mit uns auf die Ranch wollten, mussten erst ihre Koffer suchen. Irgendwie waren die abhanden gekommen. Doch nach einer Stunde hatte sich alles geklärt und wir konnten die Fahrt nach Wickenburg antreten.

Sabine und Christian waren echt super nett und passten total zu uns. Genau so irre und sie waren auch schon viel in der Welt rumgekommen. So verbrachten wir den ersten Abend und die erste Nacht in einem Motel in Wickenburg und am nächsten Tag erkundeten wir ein wenig die Gegend, da Carrol uns erst gegen 12 Uhr abholen wollte.

Wir fanden Carrol sofort sympathisch. Dann die Fahrt zu Ranch. Oh wow, ich hätte nur heulen können, das war so überwältigend. Selbst Bilder können das nicht zeigen, dass muss jeder selber erlebt haben. Diese Landschaft, die Berge und Kakteen, die Straße. Herrje, nichts befestigt, nur Steinen, tiefe Abgründe und der Jeep quälte sich da durch. Einfach nur unglaublich und super schön.

Ich glaube, wir fuhren so 1 1/2 Stunden, bis endlich die Ranch auftauchte. Oh wow, war wieder alles, was ich dazu sagen konnte.

Die ganzen sieben Tage wurden von diesen Worten bestimmt: "unglaublich, wow und super schön ". Die Dinge, die wir dort erlebten, lassen sich nicht in Worte fassen. Wir hatten so wahnsinnig viel Spaß mit den Kölnern (Sabine und Christian) und zwei anderen Gästen aus Österreich (Sabine und Martin). Es war, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Es bestand gleich eine Verbindung zwischen uns allen, und wir waren alle so ausgeglichen und friedlich. Alle Sorgen und Probleme, die wir Daheim hatten, waren von uns abgefallen. Keine Zwänge mehr. Nur noch Natur, Pferde, Hunde und Einsamkeit.

Selbst, dass alles so einfach war, machte uns nichts aus. Wir hatten fließend warmes Wasser, eine Dusche und eine Toilette. Was brauchten wir mehr. Früher wäre so was für mich undenkbar gewesen. Doch hier spielte das alles keine Rolle mehr. Wir fühlen uns so frei. Das war die Hauptsache dabei.

Wir mussten einen Wisch unterschreiben, dass wir keine Ansprüche stellen, wenn uns was passiert. Sogar bei Tod nicht. Klar, wir können da keine Ansprüche mehr stellen. Aber das klang schon interessant. Jeder andere hätte hier vielleicht doch mal überlegt, auf was er sich da eingelassen hat, doch wir amüsierten uns nur darüber, unterschrieben das Teil und erzählten weiter. Das belastete uns gar nicht. Wir wussten, dass uns nichts passieren konnte und das das hier nur eine absolut geniale Erfahrung werden würde.

Vorm Essen wurde gebetet und wir fühlten uns dadurch alle so beschützt. Roy und Carrol behandelten uns wie ihre Kinder und alle hatten das Gefühl, schon immer zu dieser Familie zu gehören. Es war nicht so wie Daheim. Immer nur dieses Dankbarkeits-Denken. Hier zählten ganz andere Dinge, die wir uns aber auch sofort annahmen, ohne dass es uns schwer fiel. Zuhause stößt man da an mehr Grenzen.

Chrissi und ich konnten die Sterne sehen, wenn wir im Bett lagen. Es war so still nachts und die Sterne und der Mond wachten über uns. Die Hunde natürlich auch. Grins. In dieser Zeit war auch noch Vollmond und er sah so fantastisch aus. Wir sahen Sternschnuppen und ich war jeden Abend froh darüber, dass wir diese Reise gemacht hatten und das wir das alles erleben durften.

Chrissi hatte dort ein heftiges Erlebnis: sie hatte schreckliche Höhenangst. Die Berge dort waren ja nun nicht unbedingt klein und die Pferde liefen da auch überall rum, schließlich kannten sie sich da aus. Doch Chrissi, die ja ein eigenes Pferd hat, dachte immer daran wie sie sich bei ihrer Musse verhalten musste. Sie hatte mächtige Probleme, dem Pferd zu vertrauen.

Dann kam der 7-Stunden-Ausritt mit dem Enkel RobRoy. Dieser Ritt war schon fasst gnadenlos und Chrissi kämpfte gegen ihre ganzen Dämonen an. Doch nach diesen sieben Stunden hatte sie gewonnen. Ihre Höhenangst war komplett verschwunden. Ihr innerer Schweinehund war besiegt, sie hatte erlebt was alles möglich ist, wenn man es nur richtig will. Wir waren alle sehr stolz auf sie und Chrissi fühlte sich danach um einiges größer.

Und bei mir fiel diese Angst vor Kleinigkeiten ab. Im Dunkeln wo langlaufen, oder was kommt jetzt. Ich tapste da im Stockdunkeln zur Toilette, teilweise ohne Schuhe und ich dachte nicht darüber nach, wer könnte da jetzt stehen. Nichts, so was hatte ich vor dem Urlaub noch verstärkt. Selbst das da Skorpione und Spinnen rumlaufen könnten, hat mich nicht belastet.

Wie Carrol und Roy miteinander umgingen war auch so überwältigend. Bitte, danke, würdest du bitte, Honey... und solche Dinge. Man spürte nicht, wie bei uns, diesen Machtkampf, oder wenn du was machst, was muss ich tun, oder wenn du das nicht machst, dann... Dort herrschte kein Kampf.

Die Ausritte, die wir machten waren sooo schön. Wir schwiegen alle und genossen die Eindrücke, die uns überkamen. Und das waren eine ganze Menge. Die Pferde waren auch ein Traum. So friedlich, umgänglich und anhänglich, auch wenn wir später in Berichten über die Ranch lasen, dass die recht seltsam waren und bei einigen Leuten nur durchdrehten. Bei uns benahmen die sich absolut klasse und ich für meinen Teil hatte keine Angst. Ich fühlte mich nur wohl auf dem Pferd (Mary), dem ich komplett vertraute. Und auch dem zweiten Pferd (Sugar Babe). Keine Spur von Panik, oder sonstigen Sachen. Einfach nur reiten und wohlfühlen.

Uns wurde auch nie langweilig. Jeder Tag war angenehme ausgefüllt und wir hatten Spaß. Selbst als wir mal nicht ausritten, saßen wir nicht dumm rum. Wir reparierten einen Zaun und machten Ohrringe. Auch sehr entspannend.

Das Essen war auch ein Traum. Drei Mahlzeiten am Tag und immer was anderes. Fantastisch. Wir haben es uns so richtig schmecken und gut gehen lassen.

Auch das frühe Aufstehen machte uns nichts aus. Da war es ja auch immer noch dunkel. Halb sechs. Zuhause, oder in anderen Urlauben würde ich mich da glatt noch mal umdrehen. Doch auf der Ranch stand man einfach auf und nach einer kurzen Anlaufphase, waren wir wach und genossen den Tag. Es störte auch keinen, dass wir teilweise schon um neun Uhr abends im Bett lagen. Es war okay und keiner hatte das Gefühl, was verpasst zu haben. Was ja zuhause öfters der Fall ist. Dort war es nur schön.

Wir lernten so unglaublich viel über uns selber dort drüben. Wir fühlten uns Daheim, ausgeglichen und zufrieden mit allem. Selbst die eine Hündin betrachtet uns als ihre Kinder. Sie passte auf uns auf und war darauf bedacht, dass wir immer zusammen bleiben.

Der Rückweg in die Zivilisation war ein echter Schock. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Alles kam uns so komisch vor. Mensch, Autos, Straßen. Wow, was sieben Tage doch mit einem anstellen können.

Der Rückflug verlief auch gut und der Enkel hatte mir am letzten Abend noch ein Rope geschenkt, mit dem ich in der Nacht eine Plastikkuh eingefangen hatte. Das war einfach nur alles irre und fantastisch.

Viele Grüße an alle, die wir kennen gelernt haben.




© Midnight Special Ranchurlaub & WebDesign