Anette auf der Creek Ranch, New Mexico

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Terug van weggeweest!

Terug van weggeweest! Zurück von Weggewesen... wie der Niederländer sagen würde. Ich war dann auch "mal weg". Nämlich für zwei idyllische Wochen Anfang Mai. Raus aus dem zugebauten, doch zeitweise recht wetterwendischen Nordrhein- Westfalen und rein in den heißgeliebten amerikanischen Südwesten.

OK, die Anreise hatte es in sich. Von Düsseldorf nach Atlanta war ja kein Thema. Bis auf das an Bord übliche "Westwallessen" (= uneinnehmbar) gab es meinerseits hier keine Beanstandungen. Nur, dass uns die an sich sehr netten Flugbegleiterinnen von Delta Airlines den Bären aufbanden, als mit ESTA einreisender Touri müsse man keine Zollerklärung ausfüllen, weil es am Flughafen Atlanta dafür Automaten gäbe, fand ich jetzt nicht ganz so prickelnd.

Denn nach der Landung stellte sich schnell heraus, dass sämtliche (und es sind derer viele) Automaten defekt waren und wir nun DOCH eine Zollerklärung ausfüllen mussten. Hätte man dies dann gleich im Flieger gemacht, wo man gemütlich saß und Zeit genug hatte, wäre es freilich einfacher gewesen. Nun also mitten im größten Jubeltrubel hieß es den Kuli zücken und dieses dumme Blatt beschriften. Seufz.

Aber wie heißt es doch gleich: Aus dem Off sprach eine Stimme zu mir: Freu Dich und lächle - es könnte schlimmer kommen. Und ich freute mich und lächelte - und es kam schlimmer! Denn jetzt standen (aus mindestens 2 Großflugzeugen stammend) mindestens 450 Leute in einer muffigen, feuchtwarmen Halle in der Endlosschlange, um bei der Immigration abgefertigt zu werden. 64 mögliche Einwanderungsschalter... und davon 3 (in Worten: drei) für die Passagiere geöffnet. Es dauerte Ewigkeiten. Über die Hälfte der Einreisenden hat dadurch dann die Anschlussflüge verpasst! Ich war erstmal happy, dass mein Flug nach Albuquerque erst abends um 19:41 Uhr ging.

Und bis zum Einsteigen in den Anschlussflieger ging auch alles einigermaßen nach Plan. Wir saßen schon im Flieger, der legte auch vom Gate ab... und dann stand er da. Wie bestellt und nicht abgeholt. Und stand. Und stand (im Gegensatz zum VW Käfer, der ja bekanntlich läuft, und läuft...). Und Informationen waren extrem spärlich. Irgendwann kam dann aber eine - akustisch kaum verständliche - Durchsage, dass es ein technisches Problem gäbe und wir zu einem anderen Gate müssten, damit das Problem gecheckt werden könnte. Und dann haben wir - mitten in einem Mordsgewitter mit Platzregen - eine schöne Rundfahrt über den gesamten Hartsfield-Jackson-Airport gemacht. Nur, dass wir alle eigentlich lieber mal GEFLOGEN wären.

Dann, nach einer halben Ewigkeit, waren wir - potzblitz - wieder am gleichen Gate, von dem wir abgereist waren. Info aus dem Cockpit: Wir haben ein Leck. OK, ich habe in meinem jugendlichen Leichtsinn jetzt an was wirklich schwerwiegendes gedacht... Hydraulikleitung, Kerosinleitung, Tank.... Nö, weit gefehlt. Es war ein Leck in einer der Flugzeugtoiletten. Und zwar vorne - da wo die "Hottwoleh" (sprich First Class) sitzt. Man hätte ja m.E. auch einfach das blöde Klosett absperren können und den Leutchen andienen, im Bedarfsfalle nach hinten zu pilgern, auf den Feld-Wald-und-Wiesen-Lokus. Aber, nee.... dem Erster-Klasse-Reisenden ist ja nicht zumutbar, sein holdes Gesäß auf derselben Brille zu parken wie so ein Holzklassen-Pax.

Und als die beiden gelb gewandeten Mechaniker, die zwecks Reparaturversuch im Flieger herumturnten und ein wenig an "Dick & Doof bauen ein Haus" erinnerten, dann grandios scheiterten.... da mussten wir alle aus dem Flieger raus und quer durch den ganzen Terminal zu einem anderen Gate, um umzusteigen. OK, bei der Strecke, die ich da gelaufen bin, hatte ich den Eindruck, schon mindestens die Hälfte des Weges nach Albuquerque zu Fuß zurückgelegt zu haben.

Dann kam wieder das Endlosprozedere mit dem Boarding... obwohl es genau die gleichen Personen waren und die gleiche Crew... und so darf es denn auch niemanden verwundern, dass es ca. 30 Minuten nach Mitternacht war, als ich dann endlich in Albuquerque ankam.

Unten, vor dem Gepäckband, hockte zusammengesunken Claudia - nur noch ein Häuflein Elend. Ich habe sie (wir kannten uns nur durch den vorherigen Briefverkehr) in erster Linie daran erkannt, dass Sie einen DIN A5-Zettel in Händen hielt, auf dem mit Kuli gekritzelt "Creek Ranch" und mein Name stand. Die Begrüßung verlief dann so herzlich, wie man das bei derart später Stunde gerade noch irgendwie zustande kriegt, bevor man ins Koma sinkt.

Die Koffer haben wir auf der Ladefläche des Trucks (mit Namen "Oppa"... weil er schon so alt und klapprig ist) verstaut, während uns Albuquerque mit Schneeregen empfing. Und das am 30. April bzw. eigentlich schon am 1. Mai. In mir keimte der Wunsch, in den nächsten Flieger zu steigen und nach Arizona weiterzureisen. Es war wettermäßig doch recht ungemütlich.

Dreimal haben wir die Fahrt unterbrochen. Das erste Mal, weil wir die Koffer vor dem Regen schützen wollten und erstmal eine Plane drübergezogen haben. Das zweite Mal, weil die Plane lustig im Wind wehte wie das Fähnlein auf dem Turme... und Claudia ernsthafte Befürchtungen hatte, das dumme Ding könne sich los reißen und bei einem hinter uns fahrenden Fahrzeug auf der Windschutzscheibe landen, was die Sicht doch wesentlich beeinträchtigt hätte.

Das zweite Mal, weil die Plane wieder abhob - und wir dann die Koffer doch lieber im Innenraum untergebracht haben, was aber ein Umschichten der diversen Lebensmitteleinkäufe erforderlich machte. Beim dritten Stopp mussten wir eine kleine technische Panne klären, was sich aber als absolute Lappalie herausstellte.

Und so kamen wir um 3:30 Uhr morgens endlich auf der Ranch an.

Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung durch Andrea (Andy) Behrends war es denn Zeit, mich in meinem Bettchen zusammenzurollen. OK, um 5:45 Uhr war ich dann wieder wach und musste mich zwingen, wenigstens bis kurz nach 6 Uhr liegen- zu bleiben. Wenn man erstmal über den toten Punkt hinweg ist...

Der erste Mai war auch in Santa Rosa / Puerto de Luna ein regnerischer solcher... und mit (haltet Euch fest, liebe Freunde) 2 °C auch nicht gerade tropisch. Wir, d.h. Andy, Claudia, die Praktikantin Hannah, Wrangler Wes, und die aus der Pfalz stammenden Gäste Andrea und Reinhard sowie "yours truly" saßen am Kamin, tranken Tee/Kaffee und starrten in die Flammen... und warteten auf besseres Wetter. Was den ganzen Tag über ein Traum blieb. Aber so ist nun mal New Mexico. Mal glühend heiß, mal schuppig kalt, selten Regen, aber wenn - dann richtig. Und alle naslang Wind. Da ist dann aber auch für jeden was dabei!

Ich persönlich war sogar ein wenig froh über diesen Gammeltag - denn die Endlos-Anreise hatte mich doch ein wenig mitgenommen.

Auf der Creek Ranch gibt es keinen festen Tagesablauf. Man nimmt es halt, wie es kommt. Die sorgt für eine herrlich entspannte Atmosphäre. Am 2. Mail z.B. haben wir uns morgens um 7 Uhr - es war schweinekalt - in ein Gefährt geklemmt, dass wie eine Mischung aus Golfkarren und Jeep daherkommt, und sind hinausgefahren auf die Nachtweide der Pferde, um diese nach Hause zu locken. Dies geht, weil die Gäule darauf konditioniert sind, einer lauten Sirene zu folgen, die sich anhört wie die Trompeten von Jericho. Oder wie Fliegeralarm anno 1944. Ohrenbetäubend.

Aber der Effekt kann sich in des Wortes wahrster Bedeutung sehen lassen. Erst war die Landschaft noch schön, aber sehr leer. Und dann auf einmal waren Sie da. In einer Staubwolke kamen sie über den Berg gefegt, allen voran mit wehender Mähne Palomino Sailor. Es erinnerte irgendwie an den Vorspann zur Fernsehserie Fury - fehlte halt eben nur "Highland Dale" in der Hauptrolle.

Nachdem wir die Rösser in den Corral am Haus geholt hatten, durfte ich den Rumpelkarren in die Garage fahren - und dann gab es Futter. Muß auch sein. Bevor ich noch vom Fleisch falle.... (OK, bevor ich gesundheitsgefährdend schlank werde, könnte ich sicher 4 Monate gar nix essen und nur von meinem Speck zehren.)

Nach dem Essen ging es dann zu den Pferden, und ich hatte das Vergnügen mit Ricky's Blue Man (Quarter Horse, Blue Roan, Wallach, Baujahr 2004, von Kings Ricky Blue), während Andrea sich mit Ace, dem braven Braunschecken amüsieren und ihr Gatte sich auf den Rücken von Cloud (auch bekannt als "Hippie") schwingen durfte. Wir haben in der Reitarena dann ein wenig unsere Pferde kennengelernt, wobei Ricky ein ziemlich flottes Tempo vorlegte - im Gegensatz zu Ace, der nach der Devise lebt "Gott schuf die Zeit - von Eile hat er nichts gesagt". Was aber für einen Anfänger sicherlich ein echter Gewinn ist.

Im Gelände musste ich Ricky auch des Öfteren mal zurückhalten. Er drängelt nämlich gerne und versucht immer, den Führer zu überholen. Darf er aber nun mal nicht. Also musste er zur Strafe hinter die anderen Pferde - was ihm dann so gar nicht in den Kram passte.

Mein Zweitpferd war Butch (eigentlich Dynamite Stampede, von Tari Dynamite aus der Cookie Stampede... und väterlicherseits mit jeder Menge Cutting Horse-Blut gesegnet .. ich sage nur Peppy San Badger / Mr. San Peppy, Doc Bar und Poco Lena).

Mit Butch war das so eine Sache. Ganz leicht lenkbar, leider nicht sehr flott, und keineswegs scheufrei. Machte zwar Spaß, ihn zu reiten - aber sattelfest musste man schon sein, denn der Kasper war doch manchmal "guckig". Beim ersten Warmreiten in der Arena hat er beim Anblick einer in der Sonne glänzenden Drahtrolle, die auch noch mit einer im Wind flatternden Plastikfolie umhüllt war, die Nerven verloren und einen beachtlichen Hüpfer getan. Als einziges der in der Bahn befindlichen Pferde. Alle anderen haben die Drahtrolle ignoriert.

Zwei Tage später hat er draußen im Gelände nochmal bewiesen, wie leicht er zu irritieren ist: da hüpfte bloß ebenso harmlos wie fröhlich ein kleiner Tumbleweed (gerade mal so 25 cm im Durchmesser) vorbei. Sproing - weg war Butch. Erstmal hoch in die Luft mit allen Vieren - und dann elegant ca. 1m zur Seite. Ach, was soll's. Mir doch wurscht. Solange ich oben bleibe, ist es mir ziemlich egal. Da habe ich in meiner verschwendeten Jugend schon ganz anderes erlebt.

Unser erster Versuch, den Pecos zu durchqueren, verlief im Sande. Irgendein Trollo hatte die Flutschleusen geöffnet, und nun führte der Pecos Hochwasser und zeigte an manchen Stellen sogar Stromschnellen. Da war es halt Essig mit dem Durchreiten. Aber wenige Tage später war es dann umso schöner. Immer wieder sind wir mit unseren Pferden durchs Wasser, und es hat kein einziges der Tiere hier Zicken gemacht. Alle gingen brav hinein.

Ach ja, Wasser. Ist bekanntlich zum Waschen da. Und nach dem Ritt ist es hier üblich, die Pferde abzuwaschen. Das kommt bei den Rössern sehr unterschiedlich an. Während Butch z.B. sich zwar vorne gut abbrausen lässt, mag er den Wasser- strahl an seinem Hinterende so gar nicht und weicht dann aus. Der kleine schwarze Harry möchte am liebsten überhaupt gar nicht baden, während mein Wasserschwein Ricky darauf besteht, dass ich dann gleich am besten mitdusche. Und so war ich dann immer genauso naß wie er. Hat aber viel Fez gemacht. Solange es warm ist, ist es ja kein Problem. Und warm und sonnig ist es dann auch die meiste Zeit gewesen, die ich vor Ort war.

Viel Vergnügen hat es auch gemacht, "Tiny" zu füttern. Ein "Leppie" (für alle Nicht-Cowboys: ein verwaistes Kalb), welches bei Vormann Joe auf der Ranch lebt und sich sehr ungeduldig zeigt, wenn es auf sein Fläschchen wartet. Da wird manchmal ganz schön geknöttert, wenn es mal wieder aus ihrer Sicht nicht fix genug geht - oder schon nach zwei Minuten die Flasche leer ist. Ersatzweise wird dann innig und lieb am Finger des Fütternden genuckelt. Kaum zu glauben, dass es tatsächlich Gäste gibt, die sich davor ekeln. Ich bin ein Landei. Mich kann das nicht schrecken - ich finde es super.

Bei unserer Metzgerei heißt es immer: Dienstag ist Schwienstag. OK, hier im Osten von New Mexico ist Dienstag Viehauktionstag. Drüben in Clovis... auf dem platten Acker, der ja schon sehr an den Texas Panhandle erinnert. Clovis selbst ist ein ödes Nest. Warum amerikanische Städte/Dörfer oft so erschreckend unattraktiv sind, kann mir auch keiner erklären. Aber immerhin: es gibt eben diese Auktion, und wenn man sich für Rinder (und manchmal auch Pferde) interessiert, dann sollte man das mal mitgemacht haben.

Ich war mit Wes und Hannah dort, und es war für mich sehr interessant. Vor allem, weil ich jetzt weiß, dass man für schwarze Rinder mehr Geld bekommt als für anders- farbige (10 - 20 Cents pro Pfund mehr!). Logisch ist das nicht - aber was soll's. So issich Läbben... kannste machen nix, musste gucken zu!

Wir haben dann noch - auf Anraten von Joe und Mitzy - ein Restaurant gefunden, wo sich das Speisen lohnte - und sind dann zurück nach Fort Sumner. Da waren wir dann auf dem Boothill und in einem der beiden Museen. Als bekennender Billy the Kid Fan ist das eine Pflichtübung, die ich schon im September 1987 mal absolviert hatte. Besser ist es aber nicht geworden in den vergangenen Jahren.

Da wir noch Zeit hatten, sind wir dann noch in Santa Rosa beim "Blue Hole" vorbei- gefahren und haben einen Blick ins Wasser riskiert. Wir haben den Fischlein und der Dorfsjugend (hauptsächlich hispanischen Ursprungs) beim Plantschen zugeschaut und selbst Abstand genommen von einem Köpper in die blauen Fluten (...eidieweil keiner von uns Badeklamotten mitgenommen hatte - und mit dem Skinny Dippin' ist das in USA ja so eine Sache.... die sind ein bisserl verklemmt was Nacktheit angeht.)

Es kamen aus Deutschland noch mehr Gäste, und wir haben viel Spass gekriegt. Auch, als Helma und Steffi aus dem Westerwald dann gerne noch nach Santa Fe wollten. Also gab es einen spontanen Ausflug, zusammen mit Wes (der gedungene Fahrer) und Hannah. Wir haben in der Altstadt, nahe dem zentralen Platz, ein tolles Restaurant entdeckt (merke: Los Magueyes - preiswert und gut). Und während Helma und Steffi unbedingt noch Souvenirs kaufen mussten, haben wir anderen drei uns kulturell betätigt und sind - auf den letzten Drücker - noch ins Museum im Gouverneurspalast gegangen.

Da habe ich, der Hobbyhistoriker, den "Kindern" (Wes ist 23, Hannah 21 - so beneidenswert schlank, hübsch und jung..) mal einen altspanischen Steigbügel gezeigt, dessen Design keinen Sinn zu ergeben schien. Dann wollten Helma und Steffi unbedingt noch in eine Bar - und wir endeten in einer Spelunke, die von einem 2. Weltkries-Veteranen gegründet wurde und heute noch von dessen Sohn geleitet wird: Evangelo's Cocktail Lounge. (Dort wurden auch ein paar Szenen für den Jeff Bridges-Film Crazy Heart gedreht.) Da tobte das pralle Leben. Nicht, dass ich jetzt ohne nicht hätte leben können. Bin eigentlich so gar keine Barfliege. Aber ok - man muss auch "jönne könne", wie der Rheinländer sagen würde. Wie dem auch sei - es war ein toller Tag.

Round-up-Zeit heißt nicht nur, dass man die Rinder der Creek-Ranch zusammen- treibt. Nein, ich hatte noch das Vergnügen, auf einer Nachbarranch beim Umtreiben der Rinder auf eine andere Weide helfen zu dürfen. Und wenn mich meine verdamm- ten Rückenprobleme nicht behindert hätten, hätte ich den Tag in noch viel besserer Erinnerung.

Ihr merkt: ich habe mich großartig amüsiert und werde auch sicherlich noch einmal auf dieser Ranch Urlaub machen. Wann, steht noch nicht fest. Nur, dass. Und ich hoffe, bald.

Nachstehend dann noch ein dazugehöriger Bildbericht über die Ranch. Photos stammen teilweise von mir und z.T. von Claudia Schnettler. Ansehen und Reiselust kriegen ist hier eins!

Herzlichst und mit einem tief empfundenen Adios, Amigos. ..

Eure

Anette