ANGELA:

Urlaub auf der
Williams Family Ranch

Wickenburg/Arizona

09.03. - 28.03.2001


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Mein Freund hatte im Frühjahr 2001 aus beruflichen Gründen mal grade "keine Verwendung" für mich. Er machte mir schon ein dreiviertel Jahr vor einem Lehrgang klar, dass ich "in die Wüste geschickt" würde, damit er den Kopf zum Lernen frei hätte. Leider würde auch sein Jahresurlaub dafür drauf gehen.
Na ja, dachte ich mir, Aussteigen ist ja sowieso ziemlich sehr modern, und mir fiel der "alte Traum" vom Ranch-Urlaub in den USA wieder ein; so mit allem Drum und Dran, Reiten, Rinder-Treiben und so weiter. Nach meinen diversen Sightseeing-Trips, die ich in den letzten Jahren mit Mietwagen in den Staaten machte, wäre dies eine willkommene Abwechslung.

Im "Netz" suchte ich nach Möglichkeiten den Traum wahr werden zu lassen. Jahreszeitlich bedingt, beschränkte ich mich auf den Süden. Ein paar Angebote sprachen mich an, ich nahm Kontakt auf; doch leider hatten viele Ranches den Betrieb eingestellt. Schließlich stieß ich auf die Seite der "Williams Family Ranch ", die von Steffi in Deutschland aufgebaut worden ist. Nach ein paar Mails entschloss ich mich, die Ranch direkt auzurufen. Zwar erreichte ich nur den Anrufbeantworter, Carrol rief mich aber noch am gleichen Abend zurück. Sie war mir sofort sympatisch, und so buchte ich kurz entschlossen. Lediglich Flug, und wenig andere organisatorische Kleinigkeiten musste ich noch erledigen; zwei Tage später bestätigte ich die Buchung, alles war "gebongt ". Vor Abreise beauftragte mich mein Freund noch nur ja einen Reisebericht zu schreiben. Wenn er schon nicht mitkommen konnte, wollte er wenigstens lesen was ich alles erlebte.


Anreise und der erste Tag/Ritt

Mittwoch, 09.03.2001

Mit Carrol hatte ich vereinbart, dass ich in Phoenix vor der Auto-Miet-Station abgeholt würde. Das war zwar nicht üblich, aber Carrol war ohnehin in Phoenix und so passte es uns beiden besser. Um fünf nach vier kamen Carrol und Enkeltocher Deann. Carrol winkte mir zu und parkte ihren Excursion. Großes "Hallo ", ein herzlicher Empfang, ganz so, als wenn wir uns schon ewig kennen würden. Wir verstauten mein Gepäck und los ging es richtung Wickenburg. Es war rush-hour und gar nicht so einfach aus der Stadt herauszukommen.

Carrol und ich unterhielten uns über alles mögliche. Noch kurz ein Tankstop und eine "Pipi "-Pause, weil Deann unbedingt mußte. Ich kaufte noch eine kleine Flasche Wasser. Carrol zeigte mir auf dem Weg die ganzen Rentner-Neubauten; viele ältere Amis verbringen den Winter in Phoenix und gehen nur im Sommer in den Norden der USA zurück.

Wir fuhren durch Wickenburg, eine schöne alte Westernstadt. Carrol holte noch die Post für die Ranch ab. Sie wollte mit uns mexikanisch essen gehen, aber der Laden war so voll, dass wir beschlossen etwas vom Mc Donalds zu holen. Für Adam sollten wir eh einen Cheeseburger mitbringen. Wir wollten auf der Ranch essen. War mir auch ganz recht. Großen Hunger auf schweres Essen hatte ich nicht und wollte den Mc Donalds - Chickensalat mal ausprobieren; er war wirklich sehr lecker.

Carrol zeigte mir aus Wickenburg ungefähr die Richtung in der sich die Ranch befand. Ich war eh gespannt drauf und auch auf die "Buckelpiste" dorthin. Die ersten Kilometer waren noch o.k., teilweise recht sandig. Mit 'nem normalen Auto würde ich die Strecke auch schon nicht mehr unbedingt fahren. Aber es wurde ja noch viel, viel schlimmer! Carrol schaltete auf Allrad um und sagte: "Let's Rock'n Roll ". Man, das konnte man wirklich nicht mehr als Straße oder Weg bezeichnen. Teilweise mußten wir sogar durch's Flussbett fahren. Carrols Excursion bewegte sich aber sehr souverän durch das schwierige Gelände. Noch 6 Meilen, noch 4, ... . Carrol stoppte "on "top" of her phone-hill "Mahoney-Peak" " um Roy anzurufen, der noch in Phoenix war und erst Samstag mittag zur Ranch kommen wollte.

Endlich sahen wir das Licht der Ranch. Für die 16,5 Meilen bis zur Ranch brauchten wir tatsächlich eine Stunde. Ich glaube diesen Weg muß man wirklich nicht jeden Tag zur Arbeit hin- und zurück haben. Carrol erzählte, dass die Regierung eventuell die Straße ausbauen will. Ich fragte sie lachend, ob sie nach 30 Jahren dann nicht diese ganzen Schlaglöcher vermissen würde.

Gegen 19:30 Uhr waren wir auf der Ranch. Adam empfing uns. Der junge Mann war seit September auf der Ranch und wollte für ein Jahr dort leben und arbeiten.

Ich bekam mein Zimmer im Bunkhouse. Es war ein sehr einfacher Cowboyraum; rustikal mit Holzofen im Zimmer. Adam hatte bereits gut eingeheizt. Ich richtete mich kurz ein, anschließend gingen wir zum Ranchhaus. Auch hier war alles sehr einfach und rustikal, aber gemütlich eingerichtet. Auffallend waren Carrols große Pfannen, die über den riesigen zwei alten Öfen hingen - genau wie auf dem Foto im Internet.

Wir futterten unseren Mc Donalds Food, erzählten noch ein bisschen und gingen früh schlafen; wir waren alle ziemlich müde.

In der Nacht hatten wir noch ein kleines Gewitter mit einem ordentlichen Regenschauer. Wie immer in einem neuen, fremden Bett konnte ich die erste Nacht nicht besonders gut schlafen. Um 6:15 Uhr stand ich am nächsten Morgen auf, ging duschen und mich fertig machen. Kurz danach hörte ich auch Adam aufstehen.

Samstag, 10.03.2001

Carrol werkelte schon fleißig in der Küche, als Adam und ich ankamen. Erstmal gab es einen großen Pott Kaffee und Toast mit Marmelade. Anschließend zeigten mir Adam und Deann die Pferde - wirklich schöne Tiere. Die meisten Pferde liefen außerhalb des Korrals frei herum, hörten aber Adams Pfeifen und ließen sich von der kleinen Deann mit einem Eimer voller Kraftfutter in den Korral locken. Adam und ich holten Heu und warfen es in die Futterkrippen. Adam zeigte mir dann noch den Zuchthengst Mickey und den Stier.

Nachdem die Pferde versorgt waren, gingen wir wieder zurück zum Ranchhaus, wo Carrol schon mit einem leckeren, deftigen Frühstück auf uns wartete. Es gab Scrambled Eggs, Bacon, Cheese und Mettwurst. Nach dem Frühstück wollte Adam mit Deann und mir zu unserem ersten Trailritt aufbrechen. Mir wurde DoGood zugeteilt; außerdem der Sattel von Ranch-Tochter Marie. Wir putzten unsere Pferde. Ich half Deann beim Putzen von Cocopuffs Kopf; sie muss noch ein wenig wachsen, bis sie alleine da hoch kommt. Adam sattelte Cocopuff für Deann und half anschließend mir beim Satteln. Ich Cowgirl-Greenhorn hab' ja noch nie ein Pferd mit 'nem Westernsattel ausstaffiert. Ich versuchte alles genau zu beobachten, damit ich es das nächste Mal alleine hinbekäme.

Irgendwann kam dann auch Carrol um nochmal alles zu kontrollieren. Bei meinem Sattel war sie nicht so ganz mit dem Sattelgurt zufrieden. Sie wollte noch einiges ändern. Ich mußte also nochmal absteigen. Ich war ja gewohnt aus beiden Steigbügeln herauszugehen und mich dann nach hinten über den Sattel mit dem Bein zu schwingen. So geht das aber nur bei einem englischen Sattel. Bei Marie's hohem Westernsattel gabs da sofort ein kleines Problem. Ich blieb etwas hängen. Aber irgendwie schaffte ich es dann doch mein Bein über den hohen Sattelrücken zu schwingen. Die für mich ungewohnten Chaps stellten noch ein zusätzliches Handicap dar. Naja, für's nächste Mal wußte ich, dass ein Cowgirl einen Fuß im Steigbügel läßt, wenn es absteigen will.

Als alle Riemen festgezogen und verstaut waren ritten wir los. Es sollte ein einfacher Trail werden. Wir folgten erst der Straße, oder wie man die "Piste" auch immer nennen will, in Richtung Wickenburg. Nach einer Weile bogen wir in einen kleineren Trail ab und ritten einen Hügel hinauf zu einer alten Mine. Ein traumhafter Ausblick - schade, dass ich meinen Fotoapparat bei dem ersten Ritt noch nicht mitgenommen hatte. Ich wollte mich erstmal mit den Pferden und dem Gelände vertraut machen, bevor ich irgendwelchen Ballast mit mir herumschleppte.

Bei der alten Mine machten wir eine kurze Rast. Adam zeigte mir den alten Schacht. Wir machten uns den Spaß und schmissen Steine in den tiefen, dunklen Schacht, zählten die Sekunden bis der Stein am Boden war - 8 Sekunden, 9 Sekunden - muß ganz schön tief runter gehen. In der Nähe der Mine zeigte mir Adam die alte Steinstraße zur Mine, die von chinesischen Arbeitern gebaut worden war. Durch einen "Wash" ritten wir weiter, wieder talwärts. Ich staunte nicht schlecht, wie sicher die Pferde diesen schwierigen und steinigen Abstieg meisterten. Wir erkundeten noch zwei alte, verlassene Häuser. Zurück ging es wieder über die "normale" Straße, Richtung Ranch. Deann rutschte etwas auf ihrem Sattel hin- und her, wenn wir etwas schneller trabten oder sogar leicht galoppierten. Wir nahmen dann doch wieder etwas mehr Rücksicht auf die Kleine. Auf unserem Trail entdeckten wir sogar blühende Kakteen. Ein tolles Bild - ich genoß die wilde Wüstenlandschaft, die jetzt im März recht grün war.

Nach zwei Stunden waren wir wieder auf der Ranch und sattelten ab. Ein Pferd kam zu mir und ließ sich kraulen. Ich hielt es für DoGood - es war aber die "Schmusebacke" Sugarbaby. Das mit dem Unterscheiden der Pferde werde ich schon noch lernen. Das galt auch für die 6 Hunde, die einen kaum gehen ließen und nur gekrault werden wollten.

Carrol wartete schon mit einem deftigen Ein"top"f auf uns. Auch Roy war zwischenzeitlich eingetroffen. Ein echter Farmer/Cowboy und Grandfather - und sehr nett. Die Williams hatten mich sofort wie ein Familienmitglied aufgenommen. Ich fühlte mich rundum wohl und freute mich auf 2 1/2 großartige Wochen. Ich würde das Reiten und das echte Ranchleben so richtig genießen!

Nach dem Lunch wollten Adam und die Williams noch irgend etwas am Pickup reparieren und anschließend Siesta machen. Ich ließ die brave Hausfrau raushängen und wusch das Mittagsgeschirr ab. Deann leistete mir Gesellschaft. Anschließend gingen Deann und ich rüber zum Bunkhouse - ich war zwar müde, wollte aber auch an meinem Reisebericht weiterschreiben, da ich zeitlich schon ganz schön hinterher hing. Deann klimperte auf der elektrischen Orgel herum und sang mir was vor.

Die Zeit raste mal wieder. Irgendwann gab es dann noch einen ordentlichen Regenschauer mit Hagel. Im Vergleich zu gestern war es heute recht kühl. Zum Reiten musste ich sogar meine Windjacke tragen. Gegen 15:00 Uhr gingen Deann und ich rüber zum Ranchhaus. Carrol wollte eigentlich mit mir nachmittags nochmal reiten, aber das Wetter sah nicht danach aus und da Roy und Carrol ein wenig schliefen, beschlossen Deann und ich auf Foto-Safari zu gehen.

Zwischen all dem Schrott, den diese "christlichen Hippies" damals auf die Ranch schleppten, als die Williams die 5 Jahre in Alaska wohnten, waren die Hunde plötzlich sehr aufgeregt und Deann und ich hörten aus einem Rohr ein jämmerliches Piepsen. Irgendein Tier hatte sich vor den Hunden darin versteckt, so dass die Hunde nicht ran kamen. Aber was war das für ein Tier, eine Maus? Eine Ratte? Sehen konnten wir auch nicht viel. Wir holten meine Taschenlampe und leuchteten in das Rohr. Es könnte ein Hase gewesen sein, aber sicher waren wir uns nicht.

Nach unserer Foto-Safari wollte Deann mit mir Monopoly spielen und so gingen wir zurück ins Haus. Carrol buk gefüllte Pies - mmh lecker! Irgendwann wurde Monopoly langweilig; das Spiel schien kein Ende nehmen zu wollen. Ich machte Deann den Vorschlag noch 'ne Runde spazieren zu gehen und sie fragte ihre Großeltern, ob sie mit mir zum Fluss gehen dürfte. Grandpa Roy sagte: "Yes, but be careful" und so machten wir uns auf den Weg. Der Hassayampa schien zwar nicht tief, aber hatte zum Teil doch eine ganz schöne Strömung. Auf dem Rückweg gingen wir nochmal bei den Pferden vorbei, blödelten noch ein wenig rum, dann war es schon wieder Zeit zum Essen.

Carrol hatte Hühnerbrust nach Cowboyart und frischen Salat mit Potatoe Crunsh gemacht. Kompliment an Carrol: Das Ranchessen schmeckt einfach super! Nach dem Essen sahen wir noch einen Western im Fernsehen. Aber so richtig hab' ich davon nichts mitbekommen. Gegen 20:30 Uhr beschloß ich ins Bett zu gehen, ein wenig weiter zu schreiben und dann auch zu schlafen, denn morgen früh sollte der Wecker wieder um 6:15 Uhr klingeln. Ich war schon gespannt, was mich am nächsten Tag erwarten würde.


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