Frieda in Texas und Oklahoma, 1996


Frieda Wiebel hat 1996 an einer von "Butterfly's Vision - USA/Südwest Spezialreisen" organisierten Reise durch Texas und Oklahoma teilgenommen. Inzwischen gibt es einige Änderungen im Tour-Verlauf bzw. es werden einige andere Ranches und Trainer besucht. Aber Ihr könnt einen tollen Einblick gewinnen, wie die Reisen ablaufen. Hier ist nun Friedas Bericht:

Eine Reise in die Region, in der sich der Red River Krieg, einer der letzten Kriege zwischen Indianern und der Army, abspielte, ein Gebiet, in dem es mehr Pferde und Top-Trainer gibt als irgendwo anders. Naturfreunde und auch die Einkaufslustigen kommen nicht zu kurz. Maximal sechs Personen können an diesen 14-tägigen Reisen teilnehmen, bei denen sich jeweils am Ende die bange Frage stellt; "Passen denn alle mit ihren neuerworbenen Schätzen noch ins Auto? "

Der Lufthansaflug führt nach Dallas und von dort aus nach Gainesville. Bereits auf der Fahrt dorthin wird einmal kurz bei einem Western Outfitter geschnuppert, nur ansehen, nichts kaufen, so die Empfehlung, da die restliche Reise mehr als genug Möglichkeiten bietet, in Insider-Geschäften mit fachkundiger Beratung durch die Reiseleiterin Ute Tietje zu günstigen Preisen einzukaufen.

Fahrt entlang an endlosen weißen Zäunen, eine Ranch an der anderen mit imposanten Ranch-Auffahrten, Pferde- und Rinderherden und dazwischen, als weiße Farbtupfer, jede Menge Kuhreiher.

Während des Aufenthalts in Gainesville stehen Besuche auf Ranches und bei Trainern auf dem Programm, wie zum Beispiel die Main River Ranch (Jomm Ranch/USA), die El Lobo Ranch, Teddy Johnson (Weltmeister im Cutting), Joe Hayes (Reining), Bill Underhill (Cutting) oder auch die Perry Ranch, Heimat des AQHA Leading Sires Nr. 1 und 2.

Über den Red River führt die Fahrt in den Indianerstaat Oklahoma, zu den Turner Falls. Traumhafte Kulisse von oben, ein Bad unterhalb des Wasserfalls, barfuss durch den Fluss mit seinen kleinen Stromschnellen bis just oberhalb des Wasserfalles oder auch ein Bad in den Wasserbecken. Grillen oberhalb des Wasserfalles am Fluss unter funkelnden Sternen.

Nach einer Stippvisite auf der Flachsberg Ranch heißt der nächste Programmpunkt "indianische Kultur und Geschichte ". Ein Freilichtmuseum gibt Einblick in die Behausungen verschiedener Indianerstämme, nur die wenigsten haben in Tipis gewohnt. Ein Indianer-Museum präsentiert die Bekleidungen der einzelnen Stämme und im Park der "Indian Hall of Fame" sind als Bronzebüsten berühmte Indianer verewigt. Mit etwas Glück erlebt man vielleicht ein Pow Wow, ein Treffen verschiedener Indianerstämme, bei dem läufig bis tief in die Nacht getanzt wird - ein unvergessliches Erlebnis für jeden, der dabei war.

Eindrucksvoll der pyramidenförmige Grabstein des Apachen-Häuptlings Geronimo, der im Militärgebiet auf einem Apachen-Friedhof inmitten seiner Familie und seiner Krieger beerdigt wurde. Anhand der Todesjahre, insbesondere der Kinder, ist das Ausmaß eines der traurigsten Kapitel der amerikanischen Geschichte hier deutlich in erkennen.

Im Wildlife Refuge hellt sich die nachdenkliche Miene der Reisenden beim Anblick einer Büffelherde oder eines einzelnen riesigen Büffelbullen wieder auf.
Der friedvolle Anblick dieser imposanten Tiere in der wieder aufgeforsteten Prärie, in der sich die Spitzen der Graser wie Wellen im Wind wiegen, versetzt den Besucher für einen kurzen Moment in die Zeit vor hundert Jahren. Auch Longhorn-Herden und Präriehunde haben hier ihren Platz gefunden.

Ein Blick vom Mount Scott in diese grandiose, unendlich scheinende Landschaft von Oklahoma lässt erahnen, wie herrlich dieses Land vor dem Eindringen des weißen Mannes gewesen sein muss. Mehrfacher Vegetations-Wechsel, in Serpentinen aufs Hochplateau. Fahrt über die Plains. Platte Landschaft, Rinder zwischen Mesquite-Bäumen, Wasserräder und dann plötzlich ein Canyon mit roten Felsen von atemberaubender Schönheit und wieder zurück in die platte Landschaft des Hochplateaus.

Ziel ist der Palo Duro Canyon. Blick von oben in den Canyon, dann Fahrt hinunter. Aufschrei: Pferde. Kann man hier reiten! Man kann. Aber nach Inaugenscheinnahme der Pferde und Sättel will niemand mehr. Zeit zum Relaxen oder Wandern im Canyon. Nur da, Rauschen der Bäume im Wind und die Stimmen der Vögel unterbrechen die Stille. Manchmal sieht man wilde Truthähne, einen Roadrunner oder einen Kojoten. Abendliches Grillen im Canyon. Sternenhimmel, vielleicht Mondschein. Schreie der Kojoten.

Der nächste Tag ist AQHA-Tag. Führung durch das AQHA-Headquarter, Besuch des Quarter Horse Museums. Nebenan eine Indian Trading Post, in der man wunderschöne, handgearbeitete Gegenstände verschiedener Indianerstämme kaufen kann.

Die Tour zurück nach Gainesville führt über die Waggoner Ranch und zum Grab des legendären Poco Bueno.

In Gainesville stehen wieder Besuche auf Ranches, die herrlichen Südstaaten-Häuser des historischen Gainesvilles und das North Central Texas College mit dem Fachbereich "Pferde-Wissenschaften" auf dem Programm. Und falls noch Zeit bleibt, der Besuch einer Sattel-Fabrik, in der Billy-Cook-Sättel produziert werden.

Nach soviel Pferden, Landschaft und Geschichte geht es nun in die Stadt. Das moderne Dallas mit seinen Wolkenkratzern steht in krassem Kontrast zum Old City Park, in dem Häuser der Region aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Stils - vom Blockhaus über das elegante Stadthaus bis zum noblen Rauchhaus - zu besichtigen sind. Jedes Haus sieht von innen so aus, als wäre die Familie gerade mal zum Einkaufen fort gegangen.

Vorbei an der mehr als lebensgroßen, riesigen, bronzenen Longhorn-Herde, die von mehreren Cowboys den Berg hinunter getrieben wird, geht es in den Historic District von Dallas mit dem alten Court House und zum wohl hässlichsten Grabmal der Welt, dem des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy. Anschließend Erholung von den extremen Temperaturen der Großstadt bei einem Glas Sekt oder Limonade im klimatisierten Drehturm-Restaurant des "Dandilion ".

Zirka zwanzig Meilen von Dallas entfernt liegt Fort Worth. In den Fairgrounds der Stadt findet meistens irgendeine Pferde-Show statt. Die Pferdesport-Anlage lässt den europäischen Besucher erahnen, in welchen Dimensionen solche Veranstaltungen in den USA durchgeführt werden.

Der Besuch des Sid-Richardsen-Museums mit seiner einmaligen Sammlung der Werke der beiden bekanntesten Western Art Künstler, Russel und Remington, ist für den Besucher von Fort Worth ein Muss. Abends geht es zum Rodeo in die Stockyards. Das Wochenend-Rodeo gehört für viele Texaner zu einem normalen Abendprogramm mit der Familie. Mit Hut und Stiefeln ausgestattet jubeln sie ihren Rodeo-Reitern beim Bullenreiten, Broncoreiten oder auch Barrel Race zu.

Selbst das Essen wird auf dieser Reise zum Erlebnis. Seen und reizvolle andere Stellen laden mittags zum Picknick ein und ausgesuchte Restaurants zum Abendessen. So beispielsweise das aus den 20ern stammende "Old Plantation" in Oklahoma mit Grandma's handgemachten Rolls, der Taiwanese in Gainesville, bei dem für $8 Riesenkrabben und jede Menge taiwanesische Köstlichkeiten in jeder Menge verzehrt werden können, das "Big Texan" in Amarillo mit Live Musik und Klapperschlange als Vorspeise auf der Speisekarte.

Eine Reise, bei der sich Highlight an Highlight reiht, mit einem Programm, das Pferdefreunde wie auch nicht ganz so pferdenärrische Mitreisende gleichermaßen begeistert.

Keine Reise verläuft genau wie die vorhergehende, da die Reiseleiterin versucht, temporäre Leckerbissen im Programm unter zu bringen, ob nun eine Top Pferdeshow, ein Pow Wow oder auch die Einladung eines Weltmeisters, beim Training zuzusehen.

Frieda Wiebel (1996)





© MSWD 2014 / Midnight Special Ranchurlaub