Urlaub auf der Heartland Ranch, New Mexico

Ranchurlaub in Amerika... ein Traum von so manchem (western)reitbegeisterten "Pferdemenschen". Und so machte auch ich mich auf den Weg in den "Wilden Westen ".
Gleich bei meiner ersten Station, der Schively Ranch im Süden Montanas, gefiel es mir so gut, daß feststand: nächstes Jahr bin ich wieder hier... So reiste ich 3 Monate durch den Westen der Vereinigten Staaten, mit Bus, per Truck stop und war die Hälfte der Zeit auf Ranches.
Wieder in deutschen Landen wurde gleich die nächste Reise geplant. Dieses Mal Ranchurlaub pur. 8 Wochen reiten, reiten, reiten! Auf Schively, natürlich, und auf der Two Bars Seven Ranch in Wyoming. Aber was dann?
Ranchadressen und Broschüren hatte ich mehr als genug. Aber ich wollte die letzten Urlaubswochen etwas abseits vom allgemeinen Touristenrummel verbringen. In einer alten "Western Horse" hatte ich einen interessanten Artikel entdeckt: Die Heartland Ranch/New Mexico wurde vorgestellt. Man konnte dort Ranchmanagement lernen... Aber kein Wort über reine Urlaubsmöglichkeiten. So dachte ich mir, daß Urlauber wohl nicht willkommen sind. Sonst hätten sie es ja schreiben können... Und so suchte ich weiter.

Auf der Berliner Pferdemesse traf ich Edith Schreiber-Kreinberg von Goting Cliff. Wir unterhielten uns über meine USA-Reise, über die neuen Pläne. Sie meinte, daß sie jemanden kennt, der mir vielleicht helfen kann. Und so schickte ich Anfang Januar ein Fax in die Staaten, in dem ich meine Urlaubswünsche beschrieb. Keine 5 Minuten später war das Antwortfax da: "Rufen Sie mich an, ich habe etwas für Sie ". Und so lernte ich Bernhard Schaer kennen. Er fragte, wann ich fahren will und in ob ich auf der Ranch helfen will oder nur relaxen. Dann erbat er sich eine Woche, um alles zu regeln. Ich war total happy und das Beste kam erst noch! Nur eine knappe Stunde nach dem Telonat mit Bernhard Schaer klingelte das Telefon erneut. "Guten Tag. Hier ist Len Kramarz von der Heartland Ranch/New Mexico. Ich höre, Sie wollen bei uns Urlaub machen. "

Mein erster Gedanke: Das kann doch nicht wahr sein!!! Aber es war Len Kramarz höchstpersönlich, der sich mit mir unterhielt. Ich wäre willkommen, wenn ich mit einer "Männerwirtschaft" klarkomme, wenn ich nicht unter 25 Jahren bin und wenn ich kein organisiertes Unterhaltungsprogramm verlange. Wunderbar! Alles, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und die Alterseinschränkung traf auf mich schon lange nicht mehr zu. So stand einem Urlaub auf Heartland nichts mehr im Wege.

Nach 4 Wochen Cattle Drive auf Schively und Ranchurlaub auf Two Bars Seven nahm ich den Greyhound Bus in Richtung Süden. In Trinidad holte mich Len ab und wir fuhren zur Ranch raus. Heartland liegt im Trinchera Tal, zwischen Trinidad und Raton. Die Straße schlängelte sich in ein wunderschönes Tal, an einer kleinen Ranch vorbei. Und dann kamen wir zum Haupttor. Von dort hatte ich einen tollen Blick auf das Headquarter der Ranch: Einige Häuser, ein altes Homestead, ein Mobile Home, ein kleiner See.

Len brachte mich im Mobile Home unter, das alle meine Erwartungen in Hinsicht auf Größe, Ausstattung und Gemütlichkeit übertraf. Am liebsten hätte ich gleich einen Ausritt gemacht, aber "mein" Roß war noch auf der Weide und sollte erst am nächsten Tag rein geholt werden. So verbrachte ich den Rest des Nachmittages damit, mein neues Heim einzurichten, die Ranch-Leute kennenzulernen.


Am nächsten Morgen zogen wir los:
Tabitha, die Tochter des "Pferde-Bosses" Dieter mit ihrem Araberwallach und ich, noch als Fußgänger. Auf der Weide angekommen machte sich Tabitha auf die Suche nach den Pferden. Sie trieb nach einer Weile 5 Reitwallache zum Tor. Ein wunderschöner Palomino fiel mir gleich auf. Tabitha machte uns bekannt: "Das ist Silk Eco, Dein Pferd. ". Wow!

Da ich oft ohne Sattel reite und Eco laut Tabitha "ein netter Kerl" war ritt ich zurück zum Headquarter. Und ich war begeistert von meinem Pferd.


Dann ging es auch gleich auf die erste Tour. Jeden Morgen wurden die 3 Herden der Junghengste, Jungstuten und Fohlenstuten gecheckt. Die ersten Tage ritt ich zusammen mit Dieter, dann mit Erwin, der bei Gottel und seinen Kühen zu Gast war. Die gesamte Ranch war fest in deutscher Hand. Keine Amerikaner. Die traf man erst wieder auf den umliegenden Ranches, wenn wir zum Heu einbringen unterwegs waren oder in den nächsten Ort fuhren.

Nach ein paarTagen kannte ich mich soweit aus, daß ich allein losziehen durfte. Ich übernahm immer freiwillig die längste Route und machte auch noch Umwege. Kein Problem, ich konnte nicht verloren gehen, weil Eco immer den Heimweg wußte... Nun ja, einen gehörigen Dickschädel hatte er schon, mein gutes Roß. Und Tabitha erzählte mir irgendwann mal, daß ein Gast Eco nicht mehr reiten wollte, weil er "zu bockig und nicht schnell genug war ". Aber ich liebte mein quietschgelbes Ranchpferd über alles und konnte mich immer mit ihm einigen. Wenn er auch manchmal seinen Unmut mit einem kurzen Ausschlagen kund tat.

Samiha


Wenn unsere Reitpferde nachts auf der großen Weide waren blieb ein Pferd zum morgendlichen Eintreiben im Korral. Meist einer der Araber von Tabitha und Dieter. Als die Reitpferde dann auf der kleinen Koppel beim Ranchhaus waren, entließen wir alle nach getaner Arbeit in die Freiheit. Und der erste, der frühs zur Sattelkammer kam, machte sich zu Fuß los, um die benötigten Pferd einzufangen. Als ich zum ersten Mal 2 Pferde holen mußte hatte ich Glück, daß sie gleich in der Nähe des Ranchhauses waren. Ich griff mir meinen Eco, dann halfterte ich Dieters Samiha auf und lief zurück zur Sattelkammer. Dieter kam und guckte mich ganz irritiert an. Er wollte wissen, was ich gemacht hätte. Und WIE. Erst einmal wußte ich garnicht, was er von mir will. Ich hatte unsere Pferde geholt. Was war besonderes dabei? Er klärte mich auf: seine Samiha ist ein liebes und nettes Pferdchen, aber wenn sie auf der Weide ist, dann läßt sie sich von keinem Fremden anfassen. Und wenn man ein Halfter dabei hat, dann schon garnicht. Komisch! aufgehalftert, war zu Samiha gegangen, hatte ihr ein paar Streicheleinheiten verpaßt und ihr das Halfter angezogen. Ohne Probleme. Und Dieter verstand die Welt nicht mehr...


Meine Lieblingsroute wurde die Strecke zur Junghengstweide. Weil man da halt am längsten unterwegs war. Nachdem ich die Pferde durchgezählt hatte kontrollierte ich sie auf Wunden, Klapperschlangenbisse, Lahmheit. Nach einer Stunde Aufenthalt bei der Herde machten wir uns auf immer neuen Routen wieder auf den Heimweg und waren gegen Mittag wieder beim Headquarter. Nach dem Mittagessen gab es mit schöner Regelmäßigkeit in kleines Gewitter und am Nachmittag hatten wir wieder das schönste Wetter und konnten beim Heu machen helfen (inclusive Baggerfahren...) oder herrlich relaxen.


Wenn im Bewässerungsbecken des Headquarters genug Wasser war gingen wir baden. Tabitha und ich, unsere Pferde und die Hunde. Mr.Jones, der Ranchkater, sah dem wilden Treiben immer nur mißtrauisch zu. Bei kleinen Raufereien war er gern dabei, aber DAS war ihm definitiv zu feucht.

Die Tierwelt auf Heartland war unglaublich. Bei einem Ritt mit Erwin hatten wir unsere Hunde dabei, die ein Elchkalb störten. Und Mama Elch ging sofort auf Hunde und uns los... Direkt im Headquarter rannten Mule Deers rum, abends hörten wir Koyoten, eines Abends beobachteten wir eine riesige Bärin mit Jungen am Bergsee. Der kamen wir zum Glück nicht zu nahe. Aber bei einem Ausflug zum Bergsee passierte folgendes: Wir sonnten uns, Gottels Kühe wanderten im Wald umher und kamen immer mal vorbei, um uns Besucher zu bestaunen. Wir blödelten rum. Eine braune Kuh: Hilfe! Ein Grizzly! Eine weiße Kuh: Was macht ein Eisbär in New Mexico? Auf einmal hörte ich: "Steffi, hinter dir steht ein Bär. "... Na klar... "Nein wirklich, hinter dir steht ein Bär! ". Quatsch! "Also, du solltest gaaaanz langsam aufstehen." Ich drehte mich um... und hinter mir stand ein Bär! Glücklicherweise nicht Mama Bär mit Baby sondern "nur" ein mittelgroßer Braunbär, der wohl zum Trinken an den See wollte und über die Besucher sehr erstaunt war. Wir verzogen uns vorsichtig in Richtung Auto, er verkrümelte sich langsam in den Wald... wir zogen es dann doch vor, wieder zum Headquarter zurück zu fahren.


Nachdem Erwin wieder in Richtung Deutschland abgereist war zog "sein" Hund bei mir in's Mobile Home ein. Len lachte, als ich ihm von meinem Untermieter erzählte. "Betty wohnt immer bei den Gästen! ". Und so leistete sie mir an den Abenden Gesellschaft und wir zogen dann immer zu dritt los: Eco, Betty und ich. Manchmal schloß sich uns auch einer von Dieters Hunden an, so wurde es immer ein lustiger Ritt...


Leider erst in der letzten Woche merkte ich, daß Eco ein ausgesprochener Fan von Distelblüten war. Und so gingen unsere letzten Ausritte oft kreuz und quer über die Weiden, von einer Distel zur nächsten. Und ich hatte einen Heidenspaß an Ecos Gesicht, wie er zufrieden Disteln köpfte und lutschte. Aber gaaanz vorsichtig, um sich nicht zu pieken...

Den Eco hätte ich am liebsten eingepackt und mit nach Hause genommen. Aber das war leider nicht möglich. Pech...

Die 4 Wochen waren wie im Flug vergangen und es hieß Abschied nehmen.

Eigentlich war für den nächsten Sommer ein weiterer Aufenthalt auf Heartland geplant, aber erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Inzwischen habe ich mein eigenes Pferd, es ist leider nicht der quietschgelbe Eco, aber eine liebe Araber-Trakehner Schimmelstute. Und so rückte Urlaub auf Heartland in weite Ferne... Aber ich bin sicher, daß es ein Wiedersehen geben wird.


Neues von der Heartland Ranch:

Len ist inzwischen umgezogen, hat eine kleine Ranch in Oklahoma. Momentan bietet er keine Urlaubsmöglichkeiten an, aber wer ein gutes Pferd sucht, der sollte dort vorbei schauen. Außerdem wird Auswanderern Hilfe bei der Suche nach der eigenen Ranch geboten.



Hier Len's Info:

RANCHER GESUCHT!!!


In Oklahoma sind Ranch-Träume noch bezahlbar. Ranches, Farmen, Reitanlagen, Hügel Bäume, grüne Wiesen, mildes Klima. Nähe großer Seen mit unbegrenzten Wassersport-Möglichkeiten.

ab $100.000,-

Wir stehen bei Immobiliensuche, Besitzerwerb, Existenzgründung, Visafragen und Übersiedlung zur Seite. Wir wissen, wovon wir reden, wir haben selbst den Sprung gewagt.

Heartland Land & Cattle Company
P.O.Box 427
Dustin, OK
USA

Tel. 001 (918) 656 - 3790
Fax 001 (918) 656 - 3791







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