Jennifer R. @ the Dryhead Ranch


Ranchurlaub. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, so etwas zu machen?

Ich hatte das schon länger im Hinterkopf aber immer wieder verdrängt und verschoben, bis es diesen September endlich eine Möglichkeit gab. Meinen eigentlich geplanten Urlaub musste ich auf nächstes Jahr verschieben und dann saß ich da und hab versucht recht kurzfristig noch was zu finden. Alle Freunde und Bekannte waren schon anderweitig unterwegs oder hatten keine Zeit für 2 bis 3 Wochen Urlaub. Also hab ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und beschlossen allein zum Kühe schubsen zu fahren.

Die Möglichkeiten, was und wo man machen will sind sehr vielfältig, darum war ich froh, nach recht kurzer Suche auf Steffiís Homepage gelandet zu sein. Schnell den ersten Kontakt aufgenommen, beschrieben was ich machen will und bald darauf hatte ich dann eine Vorauswahl erhalten.

Danach ging alles ganz fix, hab mir meinen Favoriten rausgepickt, die hatten zum gewünschten Zeitraum auch noch was frei, und dann nix wie los und alles buchen. Die restliche Zeit bis zum Abflug war dann voll mit Infos sammeln, Ausrüstung besorgen und was halt sonst noch so üblich ist bei jedem Urlaub.

Kaum hatte ich mich versehen war es auch schon Ende August und ich hab mich auf den Weg gemacht zum Flughafen, Ziel: Billings, Montana und dann weiter zur Dryhead Ranch.

Im Flieger (kein individuelles Bordprogramm, wo haben die den Vogel nur ausgegraben???) fingen dann die ersten Überlegungen an: Was machst du hier eigentlich? Du hast seit über 10 Jahren nicht mehr auf nem Pferd gesessen und hast keinen Schimmer was auf dich zukommt. Bist du eigentlich noch ganz normal, oder gehört so ein bisschen Verrücktheit zu so nem Urlaub einfach dazu?

Nach Motorproblemen in Minneapolis bin ich dann endlich um 1 Uhr Ortszeit am Samstag Morgen in Billings gelandet und im Hotel nur noch tot aufs Bett gefallen. Die Dude Rancher Lodge bietet keinen Luxus, hat aber alles was man braucht und die Zimmer sind sauber. Den Samstag hab ich dann noch mit Shoppen verbracht, mir fehlte z.B. noch ein Hut, um das Outfit zu komplettieren. In Billings selber ist nicht viel los, ist halt ne typisch amerikanische Kleinstadt, leicht verschlafen aber mit Charme.

Sonntag Nachmittag dann endlich weiter zur Ranch. Meine Gedanken vom Herflug waren inzwischen vergessen, ich hab mich nur noch gefreut und war gespannt was so auf mich zukommt. Ich wurde direkt am Hotel von Jennifer und Debbie abgeholt, mit etwas Verspätung, aber die Ranch liegt ja auch gut 2,5 bis 3 Stunden weit weg. Weiter zum Flughafen und einen weiteren Gast einsammeln, Shauli aus Kentucky. Auf der Fahrt haben wir uns dann alle etwas beschnuppert und erfahren, wir sind diese Woche nur zu dritt, Paul aus der Schweiz kommt mit seinem Mietwagen selbst zur Ranch.

Bei der Ankunft selbst haben wir leider nicht mehr allzu viel sehen können da es schon dunkel war. Das mussten wir dann am nächsten Morgen nachholen. Schnell Gepäck in die Zimmer bringen, Paul begrüßen und dann zum Abendessen ins Cookhouse. Da gabís dann den ersten Vorgeschmack was mich die nächsten zwei Wochen erwarten würde: Donnaís Kochkünste. Einfach super. Immer abwechslungsreich, vor allem die Desserts waren zum reinknien. Also ein Problem schon mal komplett vom Tisch: ich würde auf jeden Fall nicht verhungern ;)
Dann noch die kurze Info "Breakfast at 7 am" und wir haben uns zu dritt am bunkhouse noch ein bisschen rausgesetzt.

Dann ging der Ranchalltag los. Während wir frühstückten war Dylan, unser Cowboy in der ersten Woche, schon draußen und hat die Pferde für später geholt. Da es der erste Tag war, gab es noch eine kleine Einweisung für Greenhorns, von wegen Brandzeichen, Verhalten mit den Pferden und ein paar allgemeine Infos drumherum.

Dylan war mit den Pferden inzwischen auch zurück und hat uns dann erst mal jedem eins mit dem Lasso rausgefangen und zum aufsatteln geschickt. Noch kurz Lunch einpacken und schon waren wir unterwegs. Hab mich zunächst noch etwas ungewohnt gefühlt, aber auch nicht wirklich schlecht.

Unterwegs haben wir ein paar Nachbarn getroffen die auf einer mehrtägigen Tour mit Planwagen unterwegs waren. Nur einer hatte echte Holzräder, die anderen waren bereift und ein Pick-Up ist auch mitgefahren. Also nicht 100% authentisch.

Tagesaufgabe: Kühe suchen, gucken ob welche vom Nachbarn bei uns stehen und die dann zurückbringen wo sie hingehören.
Wichtigste Anweisung von Dylan: "Be loud and scary".

Anfangs lief das ganze noch etwas chaotisch ab, aber nach und nach wurde es immer besser. Nachdem alle Kühe wieder da waren wo sie hingehören gabís Lunch und wir haben uns langsam wieder auf den Rückweg gemacht. Da hab ich mich nicht mehr ganz so toll gefühlt und die Knie wurden vom ungewohnten Sitzen langsam etwas steif, mein Hintern hat sich zwischendurch auch mal gerührt, aber im großen und ganzen hab ich den Tag besser überstanden als erwartet.

Dann hieß es Pferde versorgen und unter der Dusche den Staub loswerden, denn davon sammelt man unterwegs jede Menge ein.
Tagesabschluss: ein köstliches Abendessen von Donna.

Das hat sich im Groben jeden Tag wiederholt, jeden Tag ein bisschen in ne andere Richtung und dort nach dem Rechten sehen.

Der zweite Tag war dann aber doch etwas anders:
Wir haben keine Kühe sondern Pferde gesucht. Ca. eine Woche vorher hatte ein Nachbar angerufen, er hätte sechs oder sieben Pferde von Dryhead auf seinem Gelände gesehen. Seitdem waren die aber wieder verschwunden und wir machten uns auf die Suche. Wie es das Schicksal so will, wir wollten grad nen Platz zum Lunchen suchen, da sind die Pferde aufgetaucht. Also Mittagessen verschieben und erst mal alle zum nächsten Tor bringen. Hat auch alles ohne Probleme funktioniert und wir konnten uns zufrieden im Schatten niederlassen.

Wieder auf der Ranch hab ich dann jeden Knochen gespürt, wir sind an dem Tag 30 Kilometer geritten. Danach wurde es immer besser und hat mit jedem Tag mehr Spaß gemacht. Also immer im Kopf behalten: die ersten zwei (bis drei) Tage einfach Zähne zusammenbeißen und durchhalten, danach wird alles besser. ;)

So ging dann der Rest der Woche auch schnell um, Kühe schubsen, ein paar Meter Zaun reparieren und reiten, reiten, reiten.

Obwohl man da draußen ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten ist, hat mich das nicht gestört. Lovell, die nächste Stadt ist ne Stunde weg, zum Teil nur über "dirt roads" und bei schlechtem Wetter garantiert nur mit 4-Wheel-Drive erreichbar. Handyempfang kann man sowieso knicken. Aber da draußen auf der Ranch würde das auch überhaupt nicht passen, deswegen hab ich auch nix vermisst.

Am Samstag hieß es dann Abschied nehmen von Paul und Shauli, die beiden waren nur für eine Woche gekommen. Die sind dann auch recht früh los, weil Shauli seinen Flieger erwischen musste. Und dann hat sich die Ranch ziemlich schnell gelehrt. Nach und nach sind alle verschwunden und ich bin fast allein zurückgeblieben.

Am Samstag waren noch Jess (Jenniferís Tochter) mit ihrem Mann Jake und den drei Kids dort, und den Rest hab ich erst am Sonntag Nachmittag wieder gesehen. Als letzte kamen Jennifer und Debbie mit den neuen Gästen zurück. Diese Woche waren wir zu siebt. Martina und Dominik aus der Schweiz, die anderen vier aus Amerika. Tori und Graceson, am Samstag geheiratet, am Sonntag zur Ranch, und dann noch Biff und Sam.

Der Plan für die Woche sah vor: Kühe schubsen, was für eine Erkenntnis.
Allerdings mit nem kleinen Extra: Es sollte begonnen werden, die Kälber von ihren Müttern zu trennen. Montag und Dienstag allerdings erst mal "business as usual", ab Mittwoch wurde es dann ernst. Da waren dann auch ein paar mehr Cowboys mit unterwegs, neben Dylan und Jake kamen noch Tyler (Jenniferís Sohn) sowie Sky und Chris mit ihren Hunden mit. Der Plan sah vor, 400 Paar zu finden, zur Ranch zu treiben und dann zu trennen.

Also am Mittwoch erst mal früh los und schauen was wir alles im Gebüsch finden ;), Donnerstag dann die ganze Herde fast bis zur Ranch bringen. Am Freitag war dann aber richtig Action angesagt. Noch die letzten Meter bis zur Ranch überwinden, die Kühe in den Corrall rein und dann runter vom Pferd und ran an die Arbeit.

Wir haben im Prinzip dafür gesorgt, dass die Kühe in den Gängen in Bewegung blieben und auf die Cowboys zulaufen, die haben dann die richtigen Tore geöffnet und Kälber von Kühen getrennt. Das war bis Mittags geschafft und dann hieß es: "das sind noch nicht alle, da fehlen noch 70".

Nach dem Mittagessen haben wir, die Gäste mit Dylan und Tyler, dann zum letzten Mal in den Sattel geschwungen und zumindest 25 Paar noch mit heimgebracht. Die restlichen Cowboys haben die Zeit genutzt und schon mal die erste Fuhre Kälber mit ihren Trailern nach Lovell chauffiert.

Man sollte auch nicht unerwähnt lassen, dass die Kühe noch bis Samstag in den Corralls stehen geblieben sind. Und die können ein ganz schön lautes Konzert veranstalten auf der Suche nach ihren Babys. Die letzte Nacht war dann auch entsprechend kurz.

Die zwei Wochen gingen auf jeden Fall viel zu schnell rum und ich wär am liebsten noch länger geblieben. Aber dafür kann ich was versprechen: ich werd auf jeden Fall wiederkommen.

Zum Abschluss noch ein Wort zu den Pferden: alle die ich hatte sind super, manche mit etwas mehr Feuer im Arsch, andere musste man dauernd antreiben und für jeden was dabei. Ich werd die Ranch mit allen menschlichen und tierischen Bewohnern wirklich vermissen.


Zum Abschluss noch ein Wort zu den Pferden: alle die ich hatte sind super, manche mit etwas mehr Feuer im Arsch, andere musste man dauernd antreiben und für jeden was dabei. Ich werd die Ranch mit allen menschlichen und tierischen Bewohnern wirklich vermissen.
Jennifer R.

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