Jo & Max auf der Williams Family Ranch in Arizona

Vorwort:
Alles begann mit einem Versprechen, dass ich, Jo, meinem Sohn Maximilian vor vier Jahren gegeben hatte: Damals kehrte ich gerade von meinem ersten Urlaub auf einer Ranch in der Nähe von Tombstone (Arizona) zurück. Meine Schilderungen des dort Erlebten faszinierten den damals 8-jährigen Maximilian sehr. Auf Max's Frage, ob er denn auch einmal auf eine Ranch reisen dürfe, antwortete ich damals, dass ich dies tun werde, wenn er 10 Jahre alt ist.

Ich hätte nie daran gedacht, dass Maximilian an diesem Versprechen über so viele Jahre festhalten würde. An seinem 10. Geburtstag stand Max plötzlich vor mir und fragte: "So, und wann fahren wir auf die Ranch? ". Ich handelte mit ihm einen neuen Termin aus, da er zu dem Zeitpunkt noch kein Wort englisch sprach und mir einfach noch zu klein für solch ein Abenteuer erschien. Auch als Motivation für den Englisch-Unterricht, sagte ich ihm definitiv zu, dass wir dann zur Ranch fahren, wenn er so gut englisch spräche, dass ich keine Angst haben müsse, dass er ohne mich in Amerika verhungert.

Mit elf-dreiviertel Jahren war Maximilian soweit und es war an mir die Sache in die Tat umzusetzen.

Recht kurzfristig begann ich im Internet nach passenden Ranches zu suchen. Es sollte auf jeden Fall keine Touri-Ranch, sondern etwas "echtes" sein. So lernte ich Steffi im Internet kennen, die uns liebenswürdigerweise bei den Vorbereitungen und der Organisation der Reise half. Mit Maximilian vereinbarte ich noch, dass als Gegenleistung für diesen Urlaub, er ein Tagebuch zu führen habe.

Hier nun zunächst seine Schilderungen:

Sonntag 19.05.2002

Wir sind um 8.10 Uhr von zu Hause (Schalksmühle) zum Flughafen nach Frankfurt gefahren. Wir brauchten 2 Stunden für die 200 km mit dem Auto. Am Flughafen wurden wir mehrmals kontrolliert. Wir mussten sogar unsere Docker-Schuhe ausziehen. Man hat immer noch große Angst vor Terroranschlägen.

Um 12.50 Uhr startete unsere Maschine nach New York. Das Flugzeug brauchte genau 45 Sekunden um abzuheben. Kurz nach dem Abflug haben wir unsere Uhren sechs Stunden zurückgestellt, auf die Uhrzeit die in New York, wo wir eine Zwischenlandung machen werden, herrscht. An Bord haben wir gegessen und getrunken und einen Kinofilm gesehen. Um 15.20 Uhr (21.20 Uhr in Deutschland) sind wir in New York gelandet. Beim Landeanflug konnten wir die Hochhäuser von Manhattan sehen. Nachdem wir wieder mehrmals kontrolliert wurden und Papa es endlich, nach zwei vergeblichen Versuchen, geschafft hatte, den Einreise-Antrag richtig auszufüllen, hatten wir noch 1 1/2 Stunden Zeit bis der Flieger nach Phoenix startete. 17.36 Uhr (23.36 Uhr in Deutschland) Noch bevor das Flugzeug abhob waren Papa und ich eingeschlafen. Nach 4 Stunden und 44 Minuten Flugzeit erreichten wir Phoenix.

Dort wartete bereits Bob mit einem Schild, auf den "Joachim Specht" stand, auf uns. Bob ist der Shuttle-Fahrer der uns zu einem Motel nach Wickenburg brachte. Wickenburg ist ungefähr 120 km von Phoenix entfernt. Weil wenig Verkehr war, waren wir in ca. einer Stunde dort. Ich ging um 23.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr Deutschland) ins Bett und schlief sofort ein.

Montag 20.05.2002

Um 3.00 Uhr war ich das erste Mal hellwach, das kommt von der Zeitumstellung. Um 4.30 Uhr sind Papa und ich aufgestanden, duschten und zogen uns an. Um 5.30 Uhr gingen wir beim Sonnenaufgang zu "Denny´s ", einem Restaurant, um zu frühstücken. Ich bekam das größte Frühstück meines Lebens:
2 große Pfannkuchen, 2 Würstchen, 2 Spiegeleier, 2 Scheiben Speck, einen Teller Hush-Browns, 1 Glas Orangensaft und 1 Glas Kakao. Papa und ich konnten nicht alles aufessen.

Wir gingen zurück zum Motel und setzten uns auf die Veranda. Ich machte "Guter Start" und schrieb mein Tagebuch weiter, weil wir noch auf Carrol, die Rancherin, warten mussten, die uns zur Ranch bringen sollte.

***** Ab hier muss ich, Jo, weiterschreiben, denn nach der Abholung durch Carroll um 10.10 Uhr prasselten die Eindrücke nur noch so auf Maximilian herein. Da blieb einfach kleine Zeit mehr für ihn zum Schreiben.

Also nochmals von vorn. Um 10.10 Uhr hielt ein riesiger roter Pick-Up vor dem Motel und es stieg eine kleine, etwas untersetzte, aber ungeheuer freundliche Frau mit einem ungeheuer dreckigen Cowboy-Hut aus. Es war Carroll Williams. Von der ersten Minute an war sie so, als ob wir uns schon eine kleine Ewigkeit kennen würden. Wir verstauten das Gepäck und stiegen ein. Im Wagen saß ein baumlanger, sehr alter Cowboy, den uns Carroll als "Ed" vorstellte. Es sprach ein kaum zu verstehendes Cowboy-Amerikanisch. Nachdem wir Ed zu einem Reifenhandel gebracht hatten, wo sein Auto stand, gingen wir mit Carrol einkaufen. Zuerst in einen Laden, wo Carroll Heu kaufte und wir uns die unterschiedlichsten Cowboy-Artikel anschauen konnten, dann in einen riesigen Supermarkt, wo Carroll für die Woche einkaufte. Carroll schenkte einem jeden von uns eine neue Pferdedecke als Willkommensgeschenk und um uns in den kalten Nächten im ungeheizten Bunk-House zudecken zu können.

Dann endlich fuhren wir zur Williams Family Ranch. Kurz hinter Wickenburg bogen wir in einen Feldweg ein, der von Meile zu Meile schlechter wurde, uns jedoch durch eine grandiose Landschaft führte. Für die 16 Miles (= 23 km) benötigten wir über eine Stunde. Gut, dass der Pick up 4-Rad-Antrieb hatte. Mit einem normalen Wagen wären wir nie angekommen.

Die ganze Gegend ist sehr bergig. Ständig ging es steil bergauf und wieder hinab. Der Weg führte uns an alten, stillgelegten Minen vorbei. Teilweise trennte uns noch nicht einmal 1,00 m von gähnend tiefen Abgründen.

Die Ranch bestand aus einem einfach gebauten Holz-Haupthaus und einem noch einfacherem Bunk-House in dem wir einzogen. Außer dem Coral mit Pferden, Rindern und Kälbern gab es sonst nichts.... abgesehen von einer Unmenge Müll, alter Autos, Bussen und sonstigem Schrott (Anm.: Reste von den Vormietern, am Abtransport wird gearbeitet). Das alles aber in einer Landschaft mit hohen Bergen, riesigem Sequoia-Kakteen, Mesquite-Büschen und Staub, Staub und nochmals Staub. Auf der Ranch gab es sechs Hunde, die alle sehr lieb zu Menschen waren. Bei Ausritten nahmen wir max. drei davon mit. Mehr waren nicht zu kontrollieren.

Als wir das Haus betraten empfing uns der Hausherr Roy Williams. Roy ist 71 Jahre alt. Carroll 63. Roy hatte Max, wie Maximilian nur genannt wurde, sofort ins Herz geschlossen. Er sagte, das Max ihn entweder Roy, Grandpa oder Grandpa Roy nennen könne.

Nach einem typisch süd-west-amerikanischen Lunch gingen wir hinunter in den Coral. Zunächst wurden die Pferde verteilt, die auf der Ranch frei herum laufen dürfen. Max bekam Mary eine lammfromme, aber, wie sich noch herausstellen sollte, dickköpfige Stute und ich sollte von nun an High-Pocket, einen tollen Wallach, reiten. Ed, der mit 76 Jahren, der älteste Cowboy ist, den ich kenne, zeigte uns, wie man die Pferde sattelt und bald schon drehten wir die ersten Runden im Coral. Max musste immer auf eine Tonne oder einen hohen Stein steigen, um aufs Pferd zu gelangen. Darüber machte ich dann gerne Witze, die Max aber gar nicht lustig fand.

Wenig später nahm uns Roy zu unserem ersten ca. zweistündigen Ausritt mit. Maximilians Mary wurde zunächst noch, damit Maximilian die Angst verliert, die er aber gar nicht zeigte, von Roy an einem Strick geführt. Max machte seine Sache sehr gut.

Als wir zurückkamen versorgten wir zunächst die Rinder und Pferde mit Heu und Wasser. Maximilian hatte eine Sonderaufgabe: Bei der Gruppe Rinder, die im Coral stand war ein kleines mutterloses Kälbchen, dessen Mutter von einem Puma gerissen worden war. Dieses Kälbchen tauften wir in Anlehnung an den Film "City-Slickers" natürlich "Norman" . Maximilians Aufgabe bestand darin das Kälbchen mit einer riesigen Nuckelflasche mit warmem Milchersatz zu füttern, was ihm auch sehr gut gelang. Als ich ein Foto von ihm beim Füttern von Norman machen wollte, war das Maximilian echt peinlich, weil er sich wohl zu blöd dabei vorkam. Erst als ich ihm erklärte, das auch dies eine richtige Cowboy-Aufgabe sei, weil sonst das Kalb sterben müsse, willigte er ein.

Abends gab es dann ein leckeres Dinner in Cowboy-Art.

Um 20.00 Uhr gingen wir mit Ed zum Bunk-House, mit Taschenlampe versteht sich wegen der Schlangen. Wir setzten uns noch ca. 1 1/2 Stunden vor die Türe, weil Ed uns unbedingt die Taranteln (Vogelspinnen) zeigen wollte, die abends überall herumliefen. Leider haben wir jedoch keine gesehen. Dafür erzählte uns Ed allerlei Cowboy-Geschichten und von den Klapperschlangen, die er in den letzten Monaten rund ums Haus getötet hatte. Als er uns dann auch noch Fotos von 40 Pfund schweren Exemplaren zeigte, wurde es uns ganz anders. Ed erklärte uns, dass das Überleben hier in der Wüste ganz einfach sei. Man müsse nur wissen, dass alles hier einen entweder beißen, stechen oder auffressen will. Achtung! Türen immer schließen wegen Schlangen und Skorpionen!

Um 21.00 Uhr lagen wir im Bett. Max war sofort weg, wir hatten ja auch die Türen geschlossen.

Dienstag 21.05.2002

Um 5.00 Uhr wurden wir beide wach. Ed war schon sehr laut mit seiner Morgentoilette beschäftigt. Um 6.00 Uhr gingen wir hinüber ins Haupthaus, wo Carroll bereits den Kaffee gekocht hatte. Für Max gab es heiße Schokolade. Nach dem Getränk ging es hinunter in den Coral, wo die Tiere versorgt wurden. Obwohl es tagsüber sehr heiß ist, herrschten morgens in der Frühe Temperaturen, die es einen ganz schön frieren lassen.

Ed gab Anweisungen wie viel Heu in welchen Coral zu werfen sei. So ganz haben wir die Logik dahinter zwar nicht verstanden, aber wir machten Ed einfach alles nach. Danach ging's zum Super-Frühstück ins Haupthaus zurück. Carroll hatte schon alles vorbereitet. Es gab Eier, Speck, Pfannkuchen und was sonst noch zum richtigen Cowboy-Frühstück dazu gehört.

Nach dem Frühstück erklärte Roy kurz, was wir am Tag alles machen würden. Heute Vormittag stand das Aussortieren der Kühe und Kälber, sowie das Brandmarken der jungen Kälber an. Wir halfen zunächst die Herde in einen anderen Coral zu treiben. Dann sortierten Ed und Roy die Tiere aus. Dann wurden die Kälber gebrannt und teilweise kastriert. Leider brach sich bereits das erste Kalb in dem Verschlag ein Bein. Wir konnten nicht helfen, weil es schon so groß und kräftig war. Jetzt wird es geschlachtet werden müssen. Roy und Ed waren sehr traurig, schließlich hat ein gesundes Kalb einen Wert von 800 $. Insgesamt konnten wir elf Kälber brandmarken.

Dann war die Arbeit getan und wir machten mit Ed einen vierstündigen Ritt durch sehr schwieriges Gelände, durch das man nicht einmal zu Fuß eine Chance hätte. Die Pferde sind einfach super. Maximilian hatte zunächst Probleme mit seinem Pferd, weil er nicht hart genug durchgriff. Deshalb machte Mary, was sie wollte. Als jedoch Ed und ich ihn eindringlich darauf hinwiesen, dass er jetzt mit Mary "kämpfen" müsse, sonst würde sie ihm niemals gehorchen, setzte er es in die Tat um und es ging besser.

Es ging über Stock und Stein. Die Berge hoch und wieder herunter. Teilweise rutschten die Pferde fast auf dem Hintern die super-steilen Abhänge hinunter. Max zeigte absolut kleine Angst. Ihm machte der wilde Ritt richtig Spaß. Als wir nach Hause kamen und Carroll hörte, welche Strecke wir geritten waren, schaute Sie ein wenig besorgt und stolz. "Na ja, das ist ja auch der richtige Schwierigkeitsgrad um einem kleinen Jungen das Reiten beizubringen!" sagte sie vorwurfsvoll zu Ed.

Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich die Wasserflasche auf dem Ritt verloren hatte und Ed, der gerade neben mir sitzt besteht darauf, dass ich dies auf jeden Fall auch aufschreibe.

Mittlerweile war auch der 34 jährige Mark aus Deutschland auf der Ranch eingetroffen. Er ist ein USA-Fan und sehr nett. Er war traurig, dass er den tollen Ausritt verpasst hatte. Zunächst gab es aber erst einmal leckeres Mittagsessen. Anschließend gingen wir mit Roy, Ed und Mark zum Coral. Mark bekam sein Pferd.

Zunächst halfen wir die Kühe zum Sprayen gegen Ungeziefer (Bohrwürmer) in einem andern Coral treiben. Da das Spray recht giftig, ist bat mich Roy mit Mark und Max einen kleinen Ausritt von ca. einer halben Stunde zu unternehmen. Als wir wiederkamen waren Ed und Roy mit der Desinfektion fertig. Wir fütterten noch die Tiere und gingen zum Abendessen. Um 20.00 Uhr gingen wir mit Mark und Ed zum Bunk-House, setzten uns vor die Tür und "shoot the shit ". Wir lachten viel, weil Ed einen nach dem anderen auf den Arm nahm und einige lustige Episoden aus seiner Zeit als Rodeo-Clown zum Besten gab.

Hier eine kleine Kostprobe:
Mark, der deutsche USA/Cowboy-Fan kaute, genau wie Ed permanent Kautabak. Während wir so über alles mögliche redeten, fragt Ed plötzlich Mark, ob er wohl einmal von seinem Kautabak probieren wolle und hielt ihm direkt die Dose hin. Mark war ganz gerührt von dieser Geste, weil Ed mit seinem Kautabak wirklich nicht verschwenderisch umging. Er nahm sich also eine ordentliche Prise und steckte sie sich unter die Unterlippe. Ed begann nun zu fragen: "Na, Mark, der Kautabak ist doch gut, oder?" Mark nickte mit Kennerblick. "Und ist der nicht ungeheuer fruchtig?" Mark nickte wieder. "Und ist der nicht auch schön feucht?" Mark nickte, schaute aber schon ein bisschen skeptisch, weil Ed sonst nicht unbedingt viele Worte um eine Sache machte. "Willst Du wissen, Mark, wie ich den so schön feucht halte, hier in der trockenen Wüste?" fragte Ed und als Mark diese Frage bejahte, spuckte Ed so richtig aus vollem Halse in seine Kautabakdose. Erst guckte Mark wie ein Bullenkälbchen, das gerade kastriert wurde, dann spuckte er so schnell er konnte den Kautabak aus und nahm dann so ziemlich jede Farbe an, die man sich vorstellen konnte. Ed und wir anderen sind vor Lachen bald vom Stuhl gefallen.

Um 21.00 Uhr lagen wir im Bett und schliefen. Bis heute noch keine Spur von einer Schlange oder Tarantel.

Mittwoch 22.05.2002

Um 5.00 Uhr wurden wir, genau wie Ed und Mark wach. Wir machten uns fertig und gingen zum allmorgendlichen Kaffee (Schokolade). Versorgten die Tiere, frühstückten und... hatten den ersten Viehtrieb vor uns.

Die Aufgabe bestand darin eine versprengte Gruppe Kühe, die sich irgendwo in den Bergen versteckte zu finden und nach Hause zu bringen.

Bevor wir losritten mussten natürlich noch die Pferde gesattelt werden. Diesmal überraschte uns Max mit einer zirkusreifen Leistung. Er schaffte es, nach heimlichem Üben, ohne Stein und Tonne alleine aufs Pferd. Mir ist die Technik dabei bis heute noch nicht so ganz klar, da er seinen Fuß vom Boden aus kaum in den Steigbügel bekam. Alle spendeten dem super-stolzen Max gehörigen Applaus.

Wir ritten los und hatten schon nach ca. einer Stunde Glück. Hoch in den Bergen an einem steilen Hang sahen wir eine Gruppe von ca. vierzehn Rindern mit Kälbern. Maximilian und ich sollten die Straße sichern, während Mark, Ed, und Roy die Kühe versuchten nach unten zu treiben. Die Hunde waren jedoch schneller und trieben die Herde durch den Canyon Richtung Ranch.

Während die anderen im Galopp hinterher preschten, musste ich auf Maximilian warten, da er bisher selten im Trab und noch nie im Galopp geritten ist. Wir trabten deshalb hinterher, hatten aber kleine Chance die anderen einzuholen. Maximilian machte seine Sache wieder sehr gut, obwohl ihm von Traben etwas schlecht war, hielt er sich tapfer. Wir kamen mindestens fünfzehn Minuten nach den anderen an. Roy war schon wieder zurückgeritten um uns zu suchen.

Leider hatten wir Ihn verpasst, weil wir einen andern Weg nach Hause genommen hatten. Wir wussten nicht, das man immer den gleichen Weg wieder zurück reiten sollte. Ich bin dann wieder zurück um Ihn zu suchen und bin zweimal die halbe Strecke geritten, ohne Ihn zu treffen. Nachdem ich das zweite Mal retour kam nahmen wir das Auto, um die Strecke nach Roy abzusuchen. Nach ca. zwei Meilen kam er uns entgegen und war sichtlich erleichtert, dass mit uns alles o. k. war.

Zuerst hatte ich seine Sorge um uns überhaupt nicht verstanden und ihm auch gesagt, dass er sich um Maximilian kleine Sorgen machen müsse, ich würden schon auf ihn aufpassen. Später erklärte mir Ed (ohne Quatsch), dass wir hier in einer sehr gefährlichen Gegend seien. Es könne alles mögliche passieren. Das Pferd könne gefallen sein. Ein Berglöwe könne uns anfallen!!! Jetzt glaubte ich, dass Ed uns wieder auf den Arm nehmen wolle, aber er wurde sehr ernst und sagte, dass es in der Gegend jede Menge davon gäbe und er wirklich keinen Quatsch mache. Jedenfalls dankte Roy beim Mittagsgebet dem Herrn ganz inständig dafür, dass alles gutgegangen ist.... und ich fühlte mich so sicher... bis auf die Klapperschlangen, Taranteln, Black-Widdow-Spinnen, Skorpione!!!

Am Nachmittag wurde die Arbeit auf Gruppen aufgeteilt. Ed und Max fuhren mit dem Traktor, zu der Stelle, wo wir die Kühe eingetrieben hatten und brachten dort Fressen hin. Max durfte in der vorderen Schaufel mitfahren. Ed und Max verstehen sich sehr gut. Roy und Mark fuhren in die Stadt Heu kaufen, um die vielen Kühe die gefangen wurden, zu füttern. Mein Job war es, alle Tiere zu versorgen. Eine richtige Schinderei bei der großen Mittagshitze. Gegen 15.00 Uhr begann ich dieses Tagebuch zu schreiben.

Gegen 15.30 Uhr kamen Max und Ed zurück. Ed lies Max und mich mit seinen Waffen schießen. Ein Kleinkaliber-Gewehr, eine Pump-Schrotflinte mit mächtigem Rückschlag, eine automatische Pistole und einen echten Colt. Max schoss sehr gut auf ein Fass, das in ca. 35m Entfernung stand. Anschließend quatschen Ed und ich noch eine Zeitlang, während er die Waffen reinigte.

Gleich gehen wir wahrscheinlich wieder zum leckeren Abendessen. Meine Knie tun mir heute zum ersten Mal weh, weil ich die Strecke um Roy zu suchen zweimal geritten und dabei viel getrabt und teilweise galoppiert bin. Ich werde jetzt erst einmal Salbe darauf packen....

Das Abendessen war wieder einmal nur lecker. Maximilian fühlte sich hier sehr wohl. Er ist hier so etwas, wie ein Nesthäkchen und wird von Roy, Carroll, aber vor allem vom alten (76) Cowboy Ed sehr gut versorgt.

Heute Abend bat Ed Maximilian, doch einmal zu ihm zu kommen. Er fragte Max, ob er ihm einen großen Gefallen tun wolle, was Max natürlich sofort abnickte. Daraufhin griff sich Ed in den Mund und holte sein Gebiss heraus, hielt es Max hin und bat ihn, dieses doch einmal kurz festzuhalten. Max drehte sich angewidert um und es hörte sich an, als ob er anfing zu würgen. Ed klopfte sich auf die Schenkel und fiel vor lachen fast vom Stuhl. Max fand das Ganze zunächst gar nicht lustig.

Spätestens um 21.00 Uhr, nachdem wir immer noch ne Zeitlang mit Ed vor dem Bunk-House in der Nacht gesessen haben, gehen wir zu Bett, denn um spätestens 5.30 Uhr steht Ed in voller Cowboy-Montur an unserem Bett und weckt uns mit seiner lauten Stimme.

Heute Abend sagte Max, bevor er in Bett stieg, dass er noch Ed "Gute Nacht" sagen wolle und ging in Ed´s Zimmer. "Hey, Ed! Kannst Du mir mal helfen?" fragte Max. Selbstverständlich würde Ed dies, erwiderte dieser. Diesmal zog sich Max sabbernd seine Zahnklammer aus und hielt sie Ed mit der Bitte hin, diese doch einmal kurz zu halten. Ed lachte laut und nahm das eklige Ding auch tatsächlich in die Hand. So etwas macht ihm überhaupt nichts aus. Es begann dann ein Gespräch zwischen den beiden, bei dem sich Ed, der so ein Ding noch nie gesehen hatte, sich von Max genau erklären lies, wozu man so etwas benötigt.

Heute Nacht um ca. 00.40 Uhr ist mir ein Stück vom Zahn abgebrochen. Es tut ganz schön weh. Gut, dass ich meinen Zahn-2-Komponentenkleber dabei habe. Obwohl.... viel hat es diesmal nicht geholfen. Es war eine schlechte Nacht.

Donnerstag 23.05.2002

Wie könnte es anders sein! Cowboy "Gnadenlos Ed" hat uns mal wieder unsanft geweckt. Max ist kaum wach zu bekommen. Jetzt scheint er sich an die Zeit angepasst zu haben. Wie jeden Morgen geht es zunächst ins Haupthaus, wo Carroll und Roy schon hinter dem riesigen gusseisernen Herd stehen. Über dem Herd hängen dicht an dicht viele gusseiserne Pfannen, die sich bei Durchzug berühren und Töne erzeugen, die an ein Glockenspiel erinnern.

Eine Tasse Kaffee im Stehen. Max bekommt von Carroll natürlich seinen Kakao und los geht´s zum Tiere-Füttern. So allmählich verstehen wir wie das mit Ed´s Strohballen-Mathematik funktioniert. Man bekommt langsam Gefühl dafür.

Danach geht´s ab zum Super-Frühstück. Wie immer gibt es Pfannekuchen, Rührei, Soft-Eggs, Melone, Marmelade, Bacon und öfter auch ein Stück Fleisch.

Heute hatten sich Roy und Ed viel vorgenommen. Die kleine Herde im Coral muss getrennt (cutted) werden; d.h. die größeren Kälber werden von den Muttertieren getrennt. Außerdem werden die Kühe aussortiert, die Roy verkauften will. Die Kälber müssen gebrannt werden und wenn es sich um kleine Bullen handelt, werden sie kastriert. Calves-Fries = Kälber-Erdbeeren, angeblich eine Spezialität! Nur gut, dass die Hunde schneller waren und die Dinger fraßen, bevor sie in den Kochtopf kommen konnten!

Vor zwei Tagen machten wir die Sache ja mit dem Kälber-Tisch. Das geht recht einfach. Diesmal soll es nach Cowboyart geschehen: Roy reitet in den hinteren Coral und fängt mit dem Lasso ein Kalb. Schleift es heraus zu uns und wir müssen das Tier umwerfen und die beiden hinteren Beine mit einem Seil an ein Vorderbein binden. Das hört sich aber viel, viel leichter an, als es in Wirklichkeit ist. Die Viecher entwickeln teilweise mordsmäßige Kräfte und kämpfen um ihr Leben. So ganz ungefährlich ist die Sache auch nicht.

Roy bringt das erste Kalb. Eigentlich wollte Ed zuerst zeigen wie es funktioniert, aber aus der Situation heraus habe ich zugepackt und das Tier zu Boden geworfen. Beide meinten, das sei perfekt gewesen. Nur, so ein Vieh zu Boden werfen ist das eine. Es dann aber auch unten am Boden halten etwas anderes. Es dann aber noch zu fesseln erscheint mir unmöglich. Ich habe ja nur zwei Arme und zwei Beine... und die sind vollauf beschäftigt. Ed kommt mir zu Hilfe und zeigt mir den Trick.

Mark ist als nächster dran. Roy hat ihm einen kleinen Bullen herausgeholt. Mark hat alleine kleine Chance. Auch als ich ihm helfen will, bekommen wir den Kerl nicht zu Boden. Ed kommt uns mit einem Lasso zu Hilfe und fängt zunächst seine Beine ein. Dann haben wir mit drei Mann immer noch allerhand zu tun. Beim Ohren einschneiden fließt reichlich Blut. So sehen nachher meine Chaps aus, als ob sie einem Schlachter gehören. Jeder von uns hatte zwei bis drei Kälber.

Dann kommt Max dran. Erst hat er ein bisschen Schiss, doch als Roy ihm ein wirklich kleines Kälbchen bringt, geht er ran wie Blücher und schmeißt es zu Boden. Toll dieser Junge. Roy und Ed sind fast noch stolzer als ich. Überhaupt haben die beiden es sich schon vorgenommen Max hier zu behalten und loben ihn bei jeder Gelegenheit überschwänglich.

Das Kälbchen ist auch ein kleiner Bulle, der kastriert wird. Roy schneidet dem Tier die Hoden ab, was sich jetzt aber viel brutaler anhört, als es in Wirklichkeit ist. Anschließend hält er die Hoden, jeden in einer Hand hoch und ruft Max zu sich. "Max, hast Du ne Schwester?" fragt er. Max antwortet wahrheitsgemäß mit "Ja! ". "Okay, Max! Dann nimm die Dinger hier und lasse Deinen Pa ein Foto von Dir mit machen während Du sie festhältst! Und wenn dann Deine Schwester einen Freund mit nach Hause bringt, dann nimmst Du den mal kurz zur Seite, zeigst ihm das Foto und sagst, dass die Dinger von seinem Vorgänger seien. Er solle Deine Schwester nur ja immer gut behandeln, denn Du habest ein scharfes Messer!" Max fand die Idee sehr lustig und lachte. Arme Mareike (Max's Schwester)!!!!

Nach dieser harten Arbeit brechen wir gegen 10.00 Uhr zum Viehtrieb auf. Die Herde muss jetzt möglichst weit von den Ranch-Häusern weggetrieben werden damit sie sich selbst in der Wildnis versorgt. Das ist auch einfacher gesagt, als getan. Immer wieder versuchen die Kühe seitlich auszubrechen. Nach 1 Stunde haben wir es geschafft.

Während Roy noch an seiner neuen Laderampe basteln will, sollen Mark, Max, Ed und ich eine sehr große ca. 15 Meilen-Runde drehen und nach weiteren Rindern Ausschau halten. Es wird ein wunderbarer aber sehr anstrengender Trail-Ride.

Wir folgen eine weite Strecke dem fast trockenen Hassayampa-River mit unzähligen kleinen Fischen darin und treffen an einer Gold-Mine einen jungen Mexikaner, der schon seit vierzehn Monaten hier in der Wildnis Wache schieben muss. Er spricht kaum englisch. Als wir uns der Mine nähern ruft Ed ständig sehr laut. Er hat Angst, dass der Mexikaner uns für Diebe hält und ohne Vorwarnung abknallt.

Ed, in seiner unglaublich freundlichen Art hat aber sofort Kontakt zu ihm. Wir bleiben eine Zeitlang in seinem Camp. Er erzählt, dass in der Nacht ein riesiger Cougar im Camp gewesen sei. Er habe auf ihn geschossen und am Kopf getroffen, wisse aber nicht ob der Schuss tödlich gewesen sei. Mir wurde ja direkt ganz anders. Als wir weiterreiten hatte ich ständig Ausschau nach dem Cougar gehalten.

Es geht über Stock und Stein, die Berge steil nach oben und noch steiler wieder nach unten. Unglaublich, was diese Pferde können. Über Geröllhalden, wo ein Mensch niemals hoch, geschweige denn herunter käme tragen Sie einen ganz sicher. Es geht dem Reiter zwar ganz schön in die Knie, aber es ist einfach nur faszinierend.

Bei unserem Ritt kommen wir in einem Wash, der zu einem alten Bergwerkstollen führt. Ed zeigt uns wunderschöne Steine (Rosenquarz, grüne Kupfer-Sulfat-Steine, Katzengold und Silber).

Auf halber Strecke zum Eingang des Stollens mussten wir mit den Kadaver einer toten Kuh ganz dicht passieren. Ed mahnte uns an nur durch den Mund zu atmen, damit man den scheußlichen Geruch nicht mitbekommt. Außerdem sollten wir unsere Pferde exakt in seinen Spuren lenken, weil die Pferde es hassten an einem Kadaver vorbeizugehen. Alles verlief sehr gut. Die Pferde zeigten sich entgegen den Befürchtungen von Ed völlig uninteressiert an dem Kadaver.

Am Ende des Washes muss man ungefähr 30m mit dem Pferd steil nach oben reiten um in den riesigen Stollen hineinschauen zu können. Es kann immer nur ein Reiter mit Pferd nach oben, weil dort oben nur ein Pferd wieder drehen kann. Und jetzt sind wir bei dem Punkt angelangt, wo aus dem Jungen Maximilian ein echter Cowboy Max wurde.

Keines der Pferde ging bereitwillig nach oben. Man musste die Viecher ganz schön antreiben. Mary, Max Pferd, verweigerte und wir sagten Max, dass er sie zwingen müsse. Er sollte nicht aufgeben. Max machte alles wieder und wieder. Er trieb sie an und Mary ging vorne hoch, doch Max gab nicht auf. Wieder und wieder kämpfte er mit Mary. Gab ihr die Sporen, schlug mit den Zügel. Mary wollte ausbrechen, versuchte den Berg herabzurasen, doch Ed und ich schnitten ihr mit unseren Pferden den Weg ab und wieder und wieder versuchte es Maximilian.

Schließlich brachen wir die Sache ab, weil Mary immer nervöser wurde und Ed Angst hatte, es könne etwas passieren. Leider hat es Max nicht geschafft, die störrische Mary heraufzujagen, doch Ed schaute Max an, schlug ihm auf die Schulter, spuckte seinen Kautabak aus und rief immer wieder "Hell, what a damned good boy this is!" Man kann die Situation gar nicht beschreiben... die bockende und hochgehende Mary, der kleine Max obenauf und der Kerl gibt nicht auf. Wieder und wieder versucht er sein bestes. Einfach super.

Zum Mittag hatten wir für jeden einen Apfel und eine halbe Orange dabei. Wir rasteten bei Roberts Camp. Dort gab es ein verfallenes Bunk-House, einen Coral, viel Schatten und eine Windmühle, die Wasser aus der Erde förderte. Wir machten im Schatten rast, speisten und füllten unsere leeren Wasserflaschen auf. In der Wüste trinkst Du ohne Ende. Das Wasser schmeckte sehr gut. Nach über vier Stunden kehrten wir, müde und glücklich zur Ranch zurück.

Wir hatten ein wenig Mittagessen. Danach halfen wir Roy bei seiner Verladestation.

Beim abendlichen "Sitzen vor dem Bunk-House" fragte Ed uns Stadtmenschen, ob wir denn wüssten, wo der Nordstern ist. Nun ja, mit völliger Souveränität bei gleichzeitiger Ahnungslosigkeit, zeigte ich selbstverständlich auf den hellsten Stern am nachtklaren Himmel und fing mir sofort von Ed eine verbale Ohrfeige ein. Ed erklärte, dass dies mal wieder typisch für einen City-Slicker sei. Die erzählten die wildesten Geschichten, wie dieser helle Stern ihnen einmal in einer verfahrenen Situation den Weg gezeigt habe. Das alles sei absoluter "Bull-Shit ". Der Nordstern sei ein kleiner unscheinbarer Stern, den man findet, wenn man die Linie zwischen den beiden Sternen, die die Hinterachse des "Kleinen Wagens" bilden ca. fünf mal verlängert. Nun gut! Da hatte ich wieder einmal etwas dazugelernt.

Freitag 24.05.2002

Shit! Jetzt ist mir doch glatt ein Tag durch die Lappen gegangen. Wahrscheinlich habe ich die Erlebnisse vom Freitag beim Donnerstag mithineingepackt.

Woran ich mich aber ganz sicher erinnere, ist, dass Norman unser mutterloses Kalb heute eine Ersatz-Mami gefunden hat. Nicht, dass sich die Kuh darum gerissen hätte, ganz im Gegenteil. Jedes Mal wenn sie Ihr eigenes Kälbchen säugte, machte sich Norman, von hinten, ganz vorsichtig durch die Hintertür (will heißen, zwischen den Hinterbeinen der Kuh) an deren Euter zu schaffen. Wenn die Kuh das bemerkte, schubste sie Norman unsanft weg. Als wir der Kuh ihr Kalb wegnahmen, weil es alt genug war sich selbst zu versorgen, wendete sich das Blatt für unseren Schützling. Plötzlich ließ die Stiefmama Norman an Ihren Zitzen saugen und adoptierte den Kleinen. Damit entfiel für Max nun auch die Aufgabe ihn jeden Morgen und Abend mit künstlicher Milch zu füttern.

Heute hat eines der Pferde in Max´s Strohhut gebissen. Na, ist ja nicht weiter tragisch, das Ding muss ja nur noch einen Tag halten.

Heute Abend hatte ich das zweifelhafte Vergnügen in unserem Zimmer eine etwa fünf Zentimeter große, braune Spinne mit einem Comic-Heft "killen" zu müssen. Die Dinger sehen aus, wie gewöhnliche Hausspinnen, doch nach Ed´s Schilderung ist ein Biss dieser Insekten sehr gefährlich. Das Gift führt dazu, dass man an verschiedenen Stellen des Körper zu verfaulen beginnt. Bis vor ca. zehn Jahren ist dieses Symptom in dieser Gegend vereinzelt bei Patienten aufgetreten, ohne dass die Medizin dafür eine Erklärung hatte. Dann hat man durch Zufall herausgefunden, dass diese kleinen Biester daran Schuld haben.

Gegen Abend kehrte Carroll mit zwei neuen Gästen aus der Stadt zurück. Charlene und Scott. Als Sie aus dem Wagen stiegen schauten wir uns nur an. Manno, das waren waschechte City Slickers. Die sahen aus, als ob sie zum Strandurlaub unterwegs seinen. Charlene, eine typische Amerikanerin, hatte Badelatschen, ein schulterloses Top und eine knall-enge 3/4-Hose an und war grell geschminkt. Scott sah so ähnlich aus... nur nicht geschminkt. Wir Cowboys versorgten dann noch die Tiere und erfuhren beim Abendessen alles über und von den beiden.

Abends um 20.00 Uhr gingen wir mit Ed zum Bunk-House, hockten noch ne Weile davor und lauschten den Geräuschen der Wildnis, während unsere City Slicker im Haupthaus fern schauten. Es wurde für die beiden sehr spät. Doch als wir fast eingeschlafen waren kamen die beiden und versuchten sich ins Bett zu legen. Dabei machten die soviel Krach, dass wir anderen alle wieder wach wurden. Ich sagte es doch" C i t y S l i c k e r s" !

Die Nacht habe ich mich wieder mit Zahnschmerzen herumgequält. Ich bin sogar aufgestanden und habe mir neue 2-Komponenten-Klebe hereingeschmiert.



Samstag 25.05.2002

Letzter richtiger Tag auf der Ranch.

Wie könnte es anders sein. Der Tag beginnt mit einem gegellten "Stand up, boys! It's time to feed the Cows!" von Ed.

Schlaftrunken wanken wir zum Haupthaus. Wer kommt natürlich noch nicht? Unsere beiden City-Slickers. Wer füttert natürlich nicht mit die Tiere? Genau!

Während wir uns um die Kühe und Pferde kümmern kommen die beiden aber mit ner Tasse Kaffee in der Hand nach unten zum Coral und schauen uns zu, ohne einen Finger zu rühren.

Nach dem Frühstück treiben wir zunächst die Rinder, die in der letzten Nacht wieder zur Ranch gekommen sind, zurück und unternehmen dann einen Ausritt von ca. drei Stunden. Wir reiten bis zum Gipfel eines hohen Berges und anschließend als Abkürzung über Stock und Stein wieder zurück. Bei dieser Rücktour geht es so steil wie noch nie herab. Oft gähnt neben uns ein hundert Meter tiefer Abgrund. Zu Fuß würde ich hier nicht heruntergehen können. Die Pferde schaffen es, jedoch verloren wir dabei 3 Hufeisen.

Maximilian macht seine Sache sehr gut. Er hat absolut keine Angst und reitet sehr gut. Nachdem Ihm Ed kurz erklärt hatte, wie es funktioniert liebt er es auch zu traben oder zu galoppieren. Oft merke ich, dass er sich gerne etwas zurückfallen lässt um und dann im Trab wieder einholen zu können.

Ach! Fast hätte ich es vergessen. Beim Viehtrieb am Morgen rasselte es plötzlich neben meinem Pferd: eine Green Moavia-Rattlesnake. Die giftigste Schlange schlechthin. Ca. 1,20m lang stand sie wild rasselnd in einem Geröllhaufen. Ein junger Wrangler, 27 Jahre, der heute für Roy Pferde einreitete und uns begleitete, stieg ab und wollte die Schlange mit einem Stein erschlagen. Die Schlange blieb aber unverletzt und verkroch sich zwischen den Steinen.

Als wir zurückkamen waren bereits die Verwandten von Roy und Carroll da. Mittags hatten Max und ich die Gelegenheit zu duschen. Max freundete sich mit einem 11-jährigen Neffen von Roy mit dem Namen Ryan Logan an. Ich sitze nun schon seit einer Stunde vor dem Bunk-House und schreibe. Heute abends soll es Bar-B-Q. geben. Max ist seit ca. 1 1/2 Stunden verschwunden. Ich schaue einmal was er macht!

Ich habe ihn gefunden. Er war bei Roy und dessen Männern, die das Verlade-Gate installierten. Roy fragt ob Max noch ein wenig Mary reiten wolle und der sagte natürlich sofort ja. Max sattelte Mary komplett, incl. Bridle (eine superstarke Leistung). Nur beim Aufsetzten des Sattels half ihm einer der Männer. Solch ein Western-Sattel ist auch wirklich schwer, fünfzehn bis zwanzig Kilo. Anschließend ritt Max die Mary zunächst im Coral und später durfte er auch alleine hinaus. Man was war der Stolz. Mittlerweile hatte er den Gaul auch gut im Griff. Erstaunlich ist, wir schnell Max das Trotten und Gallopieren gelernt hat. Er sitzt im Sattel wie festgeklebt.

Ed zeigt uns mit seinem Pinto (uneingerittenes Pferd) und Ryan, was es bedeutet ein Pferdepflüsterer zu sein.

Gegen 18.00 Uhr hatte Ed das Feuer aus Mesquite-Holz im riesigen B-B-Q-Grill auf richtiger Temperatur. Roy spielte den Grill-Mann und legte riesige T-Bone-Steaks auf das Feuer. So etwas leckeres habe ich bisher selten gegessen. Das Fleisch butterzart mit einem fein-würzigen Geschmack des Mesquite-Holzes. Dazu gab es frischen Salat, Bohnen und selbstgebackene, lecker-luftig-leichte Brötchen. Die ganze Familie lobte Roy für das gute, rancheigene Fleisch.

Maximilian sprach, wie schon öfters, das Tischgebet bei dem sich alle an den Händen halten.

Gegen 20.00 Uhr gingen wir zum Bunk-House. Max legte sich auch sofort ins Bett, nachdem wir noch gemeinsam gebetet hatten. Ich setzte mich noch zu Ed, Mark und Scott auf ein Bier vor die Tür. Wir hatten wieder viel zu lachen, weil Ed einige Episoden aus seinem Leben erzählte. Ed lobte Max und uns "Guys" wieder über den "grünen Klee" und wurde plötzlich ungewöhnlich leise und ernst. Er sagte, er wolle mir etwas mitgeben, dass ich aber erst nach unserer Rückkehr Max geben dürfte als Erinnerung. Ich machte ihm den Vorschlag die Sache doch Max persönlich zu geben, worauf er mal wieder seine Meinung über "General Manager" zum Besten gab.

Dann verlief diese Gespräch im Sande und wir witzelten weiter z.B. über Marks "Humpa-Humpa-Bauch" der die Pferde erschreckte. Gegen 21.00 Uhr packte ich schon einmal alles ein und ging zu Bett.

Sonntag 26.O5.2002

Um 5.00 Uhr (14.00 Uhr Deutschland) wurde ich pünktlich wach, duschte und zog mich an. Als wir zum Haupthaus gehen wollten hielt Ed Max an und zog etwas aus der Tasche. Es war ein riesiger Opal-Stein, den er einmal gefunden hatte. Er sagte Maximilian, dass er diesen Stein als Erinnerung mit nach Deutschland nehmen solle und mit der Familie teilen soll. Er sei groß genug, um daraus einen Ring und ein Bolo-Neck zu machen.

Maximilian war bereits gestern sehr traurig (tränen unter der Sonnenbrille) und heute galt es nun Abschied zu nehmen. Im Haupthaus waren Carroll, Roy, ihr Sohn, der Neffe und dessen Sohn Ryan dabei das Frühstück vorzubereiten. Wir beide tranken nur etwas, denn um 6.00 Uhr sollte unsere Rückreise beginnen. Der Abschied fiel allen schwer. Besonders die "alten Männer" Ed und Roy hatten Maximilian fest in ihr Herz geschlossen. Wir verabschiedeten uns in der Hoffnung uns irgendwann einmal wiederzusehen.

Carrolls Pick-Up brachte uns in ca. einer Stunde und zehn Minuten nach Wickenburg. Am McDonalds wartete bereits Bob, der VIP-Shuttle-Fahrer mit seinem Van. Carroll umarmte uns noch ganz herzlich, setzte sich in ihren Wagen und fuhr davon.

Bob brauchte eine Stunde zum Flughaben in Phoenix. Wir checkten ein und verließen um 11.10 Uhr (20.15 Deutschland) das schöne, rauhe Cowboy-Land Arizona. Kauften vorher aber noch zwei CDs mit Indianer-Musik.

In Cincinnatti kamen wir ca. 3 1/4 Stunden später (23.30 Deutschland) an. Wir versuchten Conny anzurufen, was aber nicht funktionierte. Weil wir auf dem Flug von Phoenix nach Cincinnatti beide fest geschlafen haben, bekamen wir kein Essen. Deshalb gingen wir zu McDonalds am Flughafen und aßen etwas. (Max = Apple-Pie, Jo = Pommes + Cheeseburger.) Nach einem weiteren missglückten Versuch, Conny zu erreichen, mussten wir zum Flieger, der recht pünktlich 18.55 Uhr (0.55 Uhr Deutschland) startete. Jetzt liegt ein acht- bis neun-stündiger Flug vor uns. Max sitzt neben mir und macht "guter Start ". Ich schreibe Tagebuch.

Zusammenfassung:

Die Reise war für Maximilian (wie er in Deutschland heißt) und mich ein großes Abenteuer. Es ist schön einen so großen Sohn zu haben mit dem man bereits Weltreisen unternehmen kann. Max ist unglaublich vernünftig. Wir haben uns prächtig verstanden. Max hatte absolut neue, körperlich, wie auch mental sehr anspruchsvolle Aufgaben. Egal was es auch war, egal wie schwierig die Sache auch erschien, Max hat sie "angepackt" und durchgezogen. Max hat von Ed nicht nur viel über Pferde und Rinder, sondern auch viel über das Leben gelernt. Mir ging es aber genauso.

Dieser Mann mit seiner unglaublichen Vitalität trotz des hohen Alters (76) war einfach und trotzdem gleichzeitig sehr weise. Wenn er auch oft Quatsch machte und die Leute teilweise derbe auf den Arm nahm, so steckte in vielem was er sagte eine tiefe Wahrheit.

Roy und Carroll sind super Gastgeber. Was der Ranch an Komfort fehlt, wird durch die christlich-herzliche Art hundertfach wieder wettgemacht. Die Ranch ist ein echter Geheimtipp für City Slickers, die einmal das echte Cowboy-Leben erleben möchten.

Nach Hause kommen heute 2 fast echte Cowboys !!!

Montag 27.05.2002

Um 9.00 Uhr, eine1/2 Stunde früher als geplant, landeten wir in Frankfurt. Ich hatte während des gesamten Fluges starke Zahnschmerzen.

Vor 22 Stunden lagen wir noch auf der Ranch in Arizona im Bett und jetzt 11.40 Uhr sind wir wieder zu Hause in Schalksmühle. Nachdem ich meine Frau begrüßt hatte ging ich sofort zum Zahnarzt. Um 12.10 Uhr saß ich bereits auf dem Behandlungsstuhl, hörte den Bohrer, schaute gegen die Decke und wünschte mich zurück zur Ranch.

Als wir unsere Erlebnisse unserer Familie und unseren Freunden schildern glaubt man uns viele Dinge nicht. Da haben wir auch durchaus Verständnis für. Man muss es einfach erlebt haben !

So long!
verfasst von
Maximilian und Jo, im Mai 2002






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