Heike & Kalle auf der Williams Family Ranch, Arizona


Vor ca. 1,5 Jahren wussten wir nicht mehr über Pferde, als das man vorne Heu hinein steckt damit hinten äpfel rauskommen. Unser letzter Urlaub im mittleren Westen hatte uns dann beflügelt, zu Hause ein paar Westernreitstunden zu nehmen um ein wenig in den wilden Westen hinein schnuppern zu können. Ist das für Greenhorns überhaupt möglich ? Ja, ist es!

Wir haben ca. 30 Reitstunden genommen, die uns die nötige Sicherheit im Sattel brachte, uns selbst in diesem anspruchvollen Gelände zu bewegen. Die Gegend ist sehr hügelig und es geht ständig rauf und runter, teilweise auch sehr steil und vor allem unwegsam. Allerdings, die Pferde wissen was sie tun und wir fühlten uns deshalb immer sicher. Hin und wieder ging es auch mal mit ein paar Galopp-Schritten aus einer Senke hinauf auf den nächsten Trail. Also ganz unbefleckt sollte man nicht sein, reittechnisch jedenfalls.
Wir sind noch weit davon entfernt zu behaupten, dass wir "richtig" reiten können (was beim Barrel-Race auch offensichtlich wurde), aber für unsere Zwecke hat es gelangt.

Das "Working" hielt sich für uns sehr in Grenzen, wir sind jeden Tag ca. 5 Stunden ausgeritten. Dabei wurden auch mal ein paar Rinder in einen Corral getrieben, wobei richtig die Post abging. Kaum hatte Doby uns darauf hingewiesen, dass wir vorsichtig sein sollten, da ging auch schon eine kleine Stampede ab und über bzw. durch ca. 1,60 m Stacheldraht. Mir blieb dabei mein Beef im Hals stecken und die Mädels standen mit offenem Mund und offenen Objektiv daneben und waren vor Schreck nicht in der Lage abzudrücken (die Kamera natürlich).

Mit riesem Gebrüll ging dann noch der Rest der Herde gegenüber durch den Zaun. Die Kälber konnten aber von Grandpa und Doby gesichert werden und die eigentliche Arbeit begann. Zum Glück nicht für uns – die Brandzeichen waren noch das harmloseste was die Kälbchen erdulden mussten. Ist schon ziemlich tough für einen Städter aus good old Germany.

So war es aber nicht jeden Tag. In der Regel sind wir ausgeritten und man wartete ab was der Tag hergab. Mal wurden Salzsteine ausgelegt, mal ein Pferd an einen Goldsucher verkauft und mal alte Goldminen oder wunderbare Aussichtspunkte besucht. Wir wurden dabei ständig von sechs Hunden begleitet, die das Gelände absuchten und anschlugen sobald sie etwas (Rinder) gefunden hatten.

Sechs Wochen vor uns hatte ein Mountain-Lion ein paar Rinder geschlagen. Er wurde daraufhin gejagt, aber nicht gefunden. Dass er noch da war konnten wir an einem zerissenen Rehbock erkennen, den wir unterwegs fanden.

Grandpa zog zwischenzeitlich unterwegs mal los, um zu sehen, was die Dog-Bunch gestellt hatte. Wahrscheinlich war es ein Wildschwein. Grandpa ging jedenfalls der Sache nach und über das Walky-Talky hörten wir, dass er zu Doby sagte "maybe it’s a Mountain-Lion". War es aber zum Glück nicht. Ich wollte nicht unbedingt sehen was das kleine Pistölchen aus- bzw. angerichtet hätte. Um überhaupt damit etwas zu erreichen muss man schon ziemlich nah ran gehen...

So, nun aber zur einer weiteren Erfahrung, die wir eigentlich so nicht auf den Plan hatten. Die Gäste schlafen im Bunkhouse, nehmen aber sehr am Leben der kleinen Familie teil. Das hat uns wirklich sehr beeindruckt und wir hatten schon nach ein paar Tagen das Gefühl, ein Teil davon zu sein. Für mich persönlich war es auch eine sehr emotionale Kiste, die durch den Freund der Family seinen Höhepunkt fand.

"Mister Ed" ist 84 Jahre alt, wohnt in einem Trailer nebenan und bekommt hier sein "Gnadenbrot". Für mich der tollste Kerl, dem ich je begegnet bin. Hierüber mehr zu schreiben würde das Maß überschreiten. Alles in allem eine grandiose Erfahrung für uns beide und es fiel uns schwer, abzureisen.

Nochmals danke für alles and god bless you
Heike und Kalle (Aachen/Germany)


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