Simone auf der Red Willow Ranch, Canada

Howdy Westernfans,

die Red Willow Ranch hab ich im Internet gefunden und bei Westkanada Direkt. Naja. Sie war die günstigste und man konnte den ganzen Tag reiten. Das hörte sich doch gut an.

Nachdem ich während meines 2-wöchigen Vancouver Sprach-Kurses eigentlich gar keine Lust mehr hatte irgendwo anders hin zu fahren, weil ich am liebsten nach Hause wollte, schrieb Elke mir ein paar liebe, aufmunternde Mails die mich dazu bewegen sollten meinen geplanten Urlaub auf der Red Willow Ranch auch durchzuführen. Sie schrieb von einem Fohlen was erwartet würde, langen Ausritten und vielen, vielen schönen Dingen die mich dann doch fahren ließen (Gott sei Dank).

Warum ich nach Hause wollte? Eigentlich wollte ich innerhalb der ersten Woche nach Hause. So weit weg, alles fremd, man kennt sich nicht aus, die Gastmutter war irgendwie komisch und und und. Aber zum Glück gab’s keinen freien Flieger.

Nun gut, wir verabredeten das Elke (Rancherin) oder Steffie (Dauerhelferin) mich am 18. Mai 2003 in Vancouver am Flughafen abholen würden. Als Elke dann da war, packten wir mein riesiges 4-Wochen Gepäck in den Dodge und machten uns auf die ca. 6-stündige Reise zur Ranch. Dort angekommen wurden wir von sechs eifrig mit dem Schwanz wedelnden Hunden begrüßt. Max, Moritz, Asta, Pancake, Benjamin und Toby. Freckle war derzeit unterwegs. Und natürlich wurden die Pferde begutachtet. Zu dem Zeitpunkt noch ca. fünfunddreißig.

Am nächsten Morgen ging es zum ersten Ausritt. Eine kanadische Schulklasse war derzeit zu Besuch und so hieß es nur: "Reite ruhig mit. Du kannst mit der langsamen Gruppe reiten ". Das war ein Trost als absoluter Anfänger mit ein paar Westernreitstunden.
Nun gut, voller Mut stürzte ich mich auf Snowy. Sie war so ziemlich die einzige die noch übrig war. Wir ritten also nach eifrigem Putzen, Satteln und Zäumen los. Die Strecke zum See war eigentlich recht gemütlich. An einem bestimmten Punkt sollten wir die andere Gruppe treffen. Die schnellen. Wie allgemein bekannt kennt Chris nur zwei Gangarten. Schritt oder Galopp. Also hieß es: "Alle bereit? Zügel kurz fassen ". Yep, und dann ging’s los. Oha. Mein erster Galopp.

Ich hab es natürlich geschafft im vollen Galopp vom Pferd zu fliegen. Wieder auf der Ranch angekommen habe ich mir geschworen nie wieder auf ein Pferd zu steigen. Aber was macht man zwei Wochen auf einer Ranch ohne zu reiten?

Also hab ich bis zum Ende der Urlaubszeit Sandy oder Babe geritten. Da braucht man wirklich keine Angst haben. Fromm wie Lämmer die beiden. Die nächste Zeit auf der Ranch war dann wirklich unheimlich toll.

Es kam ein Fohlen zur Welt. Josy, die Tochter von Tuffy. Leider ist am gleichen Tag einer der Hunde gestorben. Freckle. Bis zum Tierarzt haben wir es nicht mehr geschafft. Unterwegs ist sie an ihrer Vergiftung gestorben. Wehe dem, der sie vergiftet hat. Das hat uns alle sehr getroffen und Chris hat sie an ihrem Lieblingsplatz begraben.

Wir haben versucht, den Weg zum Pub mit dem Pferd zu finden. Was leider nicht so recht funktioniert hat. Es war am regnen und die Wälder voller am Boden liegendem Holz.

Wir sind ausgeritten, haben die ewig ausbüchsenden Kühe getrieben, wobei Chris (Rancher) hier manchmal recht böse wurde... Irgendwie sind uns die Kühe während des Treibens nämlich wieder stiften gegangen. Und wenn es nicht unsere Schuld war, dann waren es die Hunde. Die Kühe sind ins Unterholz, wo wir dann natürlich mit den Pferden nicht hinterher kamen. Dann hieß es warten. Aber was soll’s... Spätestens, wenn wir es dann doch mal geschafft haben, die Kühe auf’s Gelände zurück zu treiben, konnte man davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen wieder welche auftauchten. Und wo? Genau. Auf der Heuweide. Deutlich zu sehen vom Frühstückstisch aus. Also haben wir alle voller Frust die Pferde gesattelt und haben Kühe getrieben. Wobei ich feststellen musste, dass galoppieren gar nicht so schlecht ist.

Ich habe bis zum erbrechen galoppieren geübt und konnte hinterher gar nicht mehr genug davon bekommen. "Du Elke, den Berg können wir doch sicher galoppieren, oder "? Chris meinte das sei normal und es hätte ihn gewundert wenn es nicht so wäre.

Der Saloon-Bau war in vollem Gange, Zäune mussten repariert werden, ein Großeinkauf in Williams Lake stand an. Natürlich waren wir auch ein paar Mal im Pub oder haben einfach gemütlich auf der Veranda gefaulenzt. Beim gemütlichem schwatzen auf der Veranda rief Steffie dann einmal: "Seht ein Bär ". Tatsache, da lief ein Schwarzbär über die Heuweide und kletterte gemütlich über den Zaun. Das war eines unserer Highlights. Von den Murmeltieren, Kojoten, Hirschen und Kolibris mal abgesehen.

Alles in allem war es einfach eine super Zeit. Elke, Chris und Steffie verstehen es sowohl mit Tieren als auch mit Menschen umzugehen. Jemand der eine Ranch besuchen möchte, sollte unbedingt hier hinkommen. Man wird regelmäßig um 08.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr mit einem deutschen Jagd-Marsch zum Essen (sehr gutes Essen, kann ich behaupten) gerufen. Man wird in das Familienleben mit einbezogen, jeder der möchte kann tatkräftig mithelfen, man lernt reiten und kann dieses auch stundenlang (je nach Können) tun.

Nach zwei Wochen war die Zeit dann leider um. Es hieß Abschied nehmen, welcher mir wirklich schwer fiel. Ich habe schon überlegt ob ich nicht einfach da bleibe und nicht mehr nach Deutschland zurückfliege. Aber die Vernunft siegt ja für gewöhnlich. Also hat Steffie mich frühmorgens nach Vancouver zum Flughafen gefahren und mich dort noch ein bisschen begleitet, da sie ja auch schon die nächsten Feriengäste mitnehmen wollte.

Ich werde auf jeden Fall wieder hinfahren. Spätestens 2004.

Simone







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