Steffi, Williams Family Ranch 2002


Tag 1, Montag:

Da meine Mitreisende Sabine sich kurzfristig entschlossen hatte, nach Hause zu fliegen, war ich allein auf dem Flug nach Phoenix. Neben mir ein Mexikaner, der beim Start anfing, sich zu bekreuzigen und zu beten. Und den ganzen Flug über hielt er sich am Vordersitz fest. Oooops.

In Phoenix angekommen rief ich Bob, den Shuttle Fahrer, an. Ja, er war schon in der Stadt und so sammelte er mich schnell ein und wir warteten gemeinsam auf Heike und Nicole. Ihr Flug kam 13.20 Uhr an und wir warteten und warteten, aber sie tauchten nicht auf. Hmmm… Bob erkundigte sich und bekam nur die Auskunft, sie sind nicht auf dem Flieger gewesen. Komisch…

Ich checkte noch mal und nach einigem Hin und Her haben mir die netten Lufthansa-Damen "verraten ", dass meine Mitreisenden auf der United Maschine sind, die 16.30 Uhr ankommt. Als ich bei United nachchecken wollte wurde mir wieder gesagt, es gibt ein staatliches Gesetz, dass man keine Auskunft geben darf, wer auf welchem Flieger ist. Schließlich meinte der United-Angestellte, er würde an meiner Stelle auf diesen Flieger warten. Aha… :-))))

Ok, nun war der Flieger da, wie standen mit einem "Heike "-Schild auf der Lauer und auf einmal kamen sie an, völlig aufgelöst und heilfroh, dass wir gewartet haben.

Beim Baggage Claim sprach uns eine Frau an, da ist noch eine Truppe Deutscher. Ob wir sie kennen lernen wollen. Hmmm… Eigentlich nicht, aber das verstehen die Amerikaner nicht so. Als wir so nach dem wohin woher fragten, da stellte sich heraus, dass diese Amerikanerin die JX Ranch von meiner Freundin Mimi in Nebraska kennt. Kleine Welt!

Taschen und Koffer einsammeln, ab in den Van, Heike und Nicole waren vom himmelblauen Van mit Samtausstattung voll beeindruckt! Und ich war heilfroh, dass wir das Hotel in Wickenburg hatten, eine Nachtfahrt zur Ranch ist absolut nicht zu empfehlen. Einerseits, weil man die tolle Landschaft verpasst, aber auch, weil die Strecke schwer zu fahren ist. Schlechte Straße, steile Berge…

Im Hotel angekommen bekamen wir benachbarte Zimmer zugeteilt, was witzig war, ich hatte wieder mal das Behinderten-Zimmer. Heike und Nicole hatten das Betreuer-Zimmer, es gab eine Zwischentür und so hatten wir so was wie eine Suite.

Wir sind gleich gegenüber bei Denny’s zum Abendessen eingeflogen, dann sind Heike und Nicole in die Falle und ich habe mich an den Computer gehockt, Mails beantwortet, da zwei internet-freie Wochen vor mir lagen.

Tag 2, Dienstag:

Nach einem netten Frühstück im Hotel machten Heike und Nicole einen kleinen Stadtbummel, ich schraubte weiter am Computer. Mittags wollte uns Carrol abholen, aber die Rezeption hatte eine Nachricht: Bob vom Shuttle Service hat angerufen, dass er uns gleich abholt. ???????? Ich rief ihn an und er sagte, Carrol hat angerufen, dass sie sich verspätet und so hat sie uns den Shuttle Service bestellt, dass wir schon mal unsere Wege in der Stadt erledigen können.

Großeinkauf bei Basha’s, dann zu Ben’s Saddlery. Inzwischen hatte es geregnet. Und zwar so RICHTIG. Wolkenbruch! Bob stand nicht – wie vereinbart – bei Ben sondern wartete auf uns vor Basha’s, um uns zur anderen Straßenseite zu Ben’s Saddlery zu fahren. Tolle Idee :-)))). Nicole legte sich einen Cowboyhut zu. Heike war immer noch unentschlossen…

Weiter ging's zu einer kleinen Ranch am Rande der Stadt, wo sie neben einigen Pferden und Rindern auch Büffel haben! Dann war es auch schon Zeit, zum Double D Western Store zu fahren. Wir gruben uns grad durch das umfassende Angebot, als Carrol auftauchte. Überraschung! Nicht mehr mit ihrem alten Pickup sondern mit einem fast funkelnagelneuen feuerroten Van! Wow, wir waren beeindruckt!

Nachdem wir uns alle mit Jeans ausgestattet hatten und Heike nun doch einen Cowboyhut erstanden hatte, machten wir uns auf den Weg zur Ranch. Vorher wurde aber noch bei Kentucky Fried Chicken angedockt!

Die Fahrt war beeindruckend! Eine Flut hatte wieder mal die Straße demoliert, aber Roy hatte alles im Griff, die schlimmsten Stellen waren ausgebessert. Nur die Haupteinfahrt zum Ranchhaus war noch unpassierbar, also mussten wir um die Korrals fahren. Ein kleiner Umweg, kein Problem. Heike meinte, dass sie nun voll versteht, wieso ich immer wieder so eindringlich gesagt habe, dass man bei Tageslicht zur Ranch fahren soll.

Carrol quartierte uns im Bunk House ein, Heike und Nicole nahmen sich ein Doppelzimmer, ich hatte ein Zimmer für mich, da ich abends noch spät am Computer schrauben wollte. Aber erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Als ich mir grad mit Heike Fotos anschaute hatte ich einen netten Computerabsturz, nicht den ersten, aber dieses Mal blieb die Kiste stumm. Nichts ging mehr! Au Backe!!! Die Fotos von Schively hatte ich ja schon gesichert, aber alles andere!!! Neeee!!!

Abendessen im Ranchhaus, irgendwie kam aber nicht so recht Stimmung bei mir auf, 45 Minuten Telefonat mit der Hotline, bei der ich mehrmals in der Warteschleife hing und nach 10 Minuten abgeklinkt wurde… Schließlich sagten sie, ich solle den Computer doch einschicken. Na toll. Und was mache ich bis dahin??? Dann schlug Carrol vor, am nächsten Tag in die Stadt zu fahren, in einen Computer Store mit Werkstatt. Aber das würde bedeuten, dass ich die Garantie verliere. Ging also nicht. Ich hatte den Laden satt mit dem Computer (Gericom, nicht zu empfehlen, schlechter Service!!!) und beschloss, mir einen neuen zu kaufen.

Tag 3, Mittwoch:

Heike und Nicole wollten auf einen Ausritt gehen, ich wollte mit Carrol in die Stadt. Aber erst mal war der Schmied da, ein paar Pferde beschlagen, unter anderem "meine" Tadpole und ein paar Jungpferde. Meine Kleine war ganz fix fertig, aber Star, eines der Jungpferde, machte gut Stress, Doby (Sohn von Carrol und Roy) und der Schmied hatten gut zu tun. Schließlich waren alle Pferde fertig, Heike bekam Dogood und Nicole Sugar Babe zugeteilt, beides Fuchsstuten. Ich half beim Satteln und bei den ersten Reitversuchen. Als alles oki war sind Heike und Nicole mit Doby und Deann (Dobys Tochter) losgezogen. Wie habe ich sie beneidet… In Wickenburg im Computerladen hatte man keine Notebooks da, aber man half mir, was Passendes zu finden und so ging es weiter nach Phoenix. Da wir erst sehr spät losgefahren sind war mir ziemlich schnell klar, dass wir es nicht im Hellen nach Hause schaffe. Au Backe!

Im Computer-Store angekommen hatten sie da, was ich suchte, sie waren sogar noch so nett, dass ich mir den Treiber für meine Digitalkamera runterladen durfte. Ohne den hätte mir der Computer nicht viel genutzt. So konnte ich wenigstens Fotos runterladen, die Webseiten hätte ich auch gebraucht, aber das hätte zu lange gedauert. Die aktuellen Versionen hatte ich leider nicht als CD dabei :-((((

Carrol ging noch "schnell mal" einkaufen, war nach einer Stunde ersts wieder aus dem Laden raus und hatte einen Großeinkauf gemacht. So brauchte Roy das nicht am Freitag mitbringen. Wir machten uns auf den Heimweg und es war schon stockdunkel. Bei Kentucky Fried Chicken wollten wir uns eine Dosis Kaffee holen, aber bekamen nur kalte Getränke und was zu knabbern. Dann ging es auf in die Berge. Da ich nun hier sitze und schreibe seht Ihr, dass ich die Fahrt überlebt habe. Aber ich kann Euch sagen, mit Muffensausen vom Feinsten!

Tag 4, Donnerstag:

Endlich reiten!!! Doby gab mir Tadpole, die anderen konnten ihre Fuchsstuten wieder reiten und so zogen wir los, Rinder suchen, einen ausgewaschenen Zaun neu bauen.

Tag 5, Freitag:

Wieder war Zaun bauen angesagt. Während Doby schon mal anfing ritten wir Nachbars Gelände ab, um ausgerissene Rinder zu finden. Zwei fanden wir. Es ist viel einfacher eine ganze Herde zu treiben als zwei Rinder. Und dann noch in dem Gelände! Steile Berge, das Tal mit dem Fluss war teilweise wild mit Gestrüpp zugewuchert. Ohne die Catahoula Hunde hätten wir wenig Chancen gehabt, die Rinder auf eigenes Land zurück zu bekommen.

Wir verteilten uns im Tal und riefen uns immer zu, wer die Rinder grad sieht und in welche Richtung sie rennen. Schließlich waren sie auf dem eigenen Land angekommen, aber Rocky, einer der Hunde, jagte die Rinder immer weiter. Er hatte zwar ein Schock-Halsband um, aber wenn man den Knopf drückte, dann jaulte er nur kurz, jagte die Rinder aber weiter. Verrückter Hund. Doby wollte daraufhin … schocken, dachte, sie wäre auch mit bei der wilden Jagd dabei, aber sie saß die ganze Zeit brav hinter ihm, jaulte ganz schrecklich und rannte heim.

Abends kamen Roy, Carrols Mann, und Rob Roy, der Enkel, zum wochenendlichen Besuch auf der Ranch.

Tag 6, Sonnabend:

Heute war Pferdewechsel angesagt, so bekam ich die alte Mary, wie Tadpole ein kleines und kompaktes Pferd, aber mit einer laaaaangen Nase. Wären die Ohren länger könnte man glatt denken, Mary wär’ ein Muli!

Dieses Mal suchten wir Nachbars Rinder, die auf den Weiden (!!!) der Williams Family Ranch sein sollten. Doby machte eine tolle Berg-Tour mit uns, wir fanden aber keine Rinder. Er schickte uns dann die Straße entlang, in Richtung Heimat, und checkte selbst noch ein abgelegenes Tal. Und da waren sie dann auch! Als Doby mit den Rindern über den Berg kam schlossen wir uns hm wieder an, die Rinder aus der Williams Family Ranch raus zu treiben.

Doby ritt vor, um das Gate aufzumachen, wir trieben die Rinder die Straße entlang. Gelegentlich gab es eine Chance, den berg hoch oder runter zu entwischen, aber stets hockte da ein Hund und schaute die Rinder an. Mir schien es, mit einem dicken Grinsen im Gesicht: "Hier geht’s NICHT lang! "

Tag 7, Sonntag:

Da ich mit Doby ausgemacht hatte, dass ich einen Teil meines Gepäcks bei ihm einlagern kann, bis ich aus Mexico zurück bin, war ich vormittags mit Packen beschäftigt, während Heike und Nicole zuschauten, wie Doby, Roy, Rob Roy und Carrol mit den Jungpferden arbeiteten. Ich wollte meinen kaputten Computer einpacken, versuchte ein letztes mal, ob er funktioniert… und siehe da, er startete. Ich schnappte mir also schnell meine CDs und fing an, alle Fotos runter zu laden, die ich die ersten 4 Wochen gemacht hatte.

Nachmittags fuhren Doby, Deann und Roy nach Phoenix, wir haben gefaulenzt, gegen Abend sind wir dann mit Rob Roy losgezogen. "Nur auf einen kleinen Spazierritt. "

Tja, denkste! Rob Roy hat uns durch die Berge geschleift, echt vom Feinsten! Ich war heilfroh, dass ich auf der zuverlässigen saß. Einen Steilhang runter, auf blankem Felsen, dann an einer Steilwand auf halber Höhe entlang, auf einmal Kakteen rechts und links vom Trail. Rob Roys Pferd marschierte durch, aber Nicole’s Sugar Babe sauste nach links den Hang hoch. Die beiden kamen vorsichtig zurück gekraucht, ich versuchte mein Glück als nächste. Denkste! Auch Mary sauste den Hang hoch. Als wir oben am Hang klebten hatte Sugar Babe eine glorreiche Idee. SPRINGEN! Und ohne Vorwarnung machte sie aus dem Stand einen Metersatz, über die Kakteen. Nicole haute es fast aus dem Sattel, aber irgendwie schafften es die beiden, beieinander zu bleiben. Wie gesagt, alles auf einem schmalen Trail auf halber Höhe eines steilen Berghanges. Nun versuchte Mary, wieder den Hang runter zu krauchen. Sie war so clever, HINTER dem Kaktus wieder auf dem Trail zu landen. Nicole und Sugar Babe hatten den schmalen Pfad übersehen. Nun waren nur noch Heike und ihr Twister hinter den Kakteen. Sie ritt vorsichtig an… Twister schaute sich die Sache an, kniff die Augen zusammen und ging tapfer vorsichtig durch die Kakteen durch. Wow, ein tolles Pferd!

Heike meinte später, sie hätte immer darauf geachtet, wenn Rob Roy eine Zigarette weg wirft, dann wurde es schweres Gelände. Dann warf er eine kaum angerauchte Zigarette weg und schaute sich einen Hang an… Heike schüttelte nur den Kopf. "Da rauf? Nie im Leben!" Also ritten wir weiter im Wash und Roy suchte sich einen anderen Hang aus. Immer noch sehr steil, aber mit ein paar ausgetretenen Pfaden. Also: dem Pferd vertrauen und hoch!

Mary, als letzte, hatte sich einmal vertan und nicht schnell genug gewendet, da standen wir nun im Steilhang und wunderten uns, wie es wohl weiter geht. Alle anderen waren schon oben, Mary machte erst mal Pause. Schließlich konnte ich sie vorsichtig drehen, auf dem Trail ging es im Zickzack weiter nach oben. Es sah nun ganz gut aus, aber Mary beschloss, sie muss erst mal eine größere Pause haben. Da stand ich nun mit meinem Pferd im Hang und sie rührte sich nicht mehr. Oben fingen die anderen an, etwas unruhig zu werden. Sehen konnten sie mich nicht, zwischen uns war Gebüsch. Also riefen sie, ob alles ok ist. "Ja, Mary macht nur Pause! ". Schließlich beschloss Mary, dass sie wieder fit ist und so dackelten wir weiter.

Übrigens, wenn ein Pferd da auf der Ranch so auf Pause besteht, dann sollte man das nicht als "Befehls-Verweigerung" auffassen. Wenn die Pferde merken, sie brauchen eine Rast, dann stehen sie da und man denkt, der Sattel liegt auf einem Holzpferd. Keine Reaktion auf irgendwelche Hilfen. Es ist lebensgefährlich, mit einem müden Pferd in den Bergen zu reiten. Also sollte man den Pferden die paar Minuten gönnen, um sicher wieder heim zu kommen.

Endlich waren wir wieder auf dem einfachen Trail nach Hause. Immer noch an Berghängen entlang, aber ohne gefährliche Stellen. Dafür wurde es langsam aber sicher dunkel. Toll, wenn man nachtblind ist! Aber Mary brachte mich sicher nach Hause.

Am Korral war Licht, Carrol fütterte die Pferde und war heilfroh, uns zu sehen. Rob Roy wartete wohl auf einen Anpfiff, weil er eine so große Tour noch abends mit uns gemacht hat. Und besonders, ohne Carrol zu sagen, welche Route er nimmt. Üblicherweise werden alle Touren angesagt, wenn Reiter verloren gehen, dass man weiß, in welcher Richtung man suchen muss. Carrol war davon ausgegangen, dass wir nur so den Hauptweg in Richtung Wickenburg reiten. Ooops…

Wir waren jedenfalls auch heilfroh, dass wir wieder gesund und munter in unserem Bunkhouse waren. Das Abendessen hatten wir uns redlich verdient. Das nächste Mal sind wir vorsichtiger, wenn uns "ein gemütlicher Ritt um’s Haus" angedroht wird… :-)

Tag 8, Montag:

Hmmm… Müssen wir wieder mit Rob Roy reiten??? Nein, er war inzwischen schon wieder los gefahren, zur Arbeit. Also ritten wir wieder mit Carrol. Heute hatte ich wieder meine Tadpole, Heike hatte Dogood (die sie am liebsten eingepackt und mitgenommen hätte) und Nicole probierte Cocopuff (Deann’s Pferd) aus.

Dieser Ritt war nun wirklich gemütlich, wir ritten den Hauptweg in Richtung Wickenburg, schauten uns alte Minenlöcher an, machten Fotos und Videos, hatten viel Spaß.

Abends hieß es packen. Ach ja…

Tag 9, Dienstag:

Wir wären gern noch geblieben, aber es ging nicht anders… Also fuhr uns Carrol in die Stadt, wir schauten schnell noch bei Ben’s Saddlery und im Western Store vorbei, dann sammelte uns Bob von Shuttle Service auch schon ein.

Am Flughafen in Phoenix angekommen haben sich Heike und Nicole ein Auto gemietet. Ein kleines. Und dann standen wir da mit all unserem Gepäck! Ooops… Aber da ich gute Erfahrung im Packen habe bekamen wir alles unter. Bei der Ausfahrt meinte man allerdings, wir sollten ein größeres Auto mieten. Ich sagte, dass ich nur bei Greyhound abgesetzt werde, da durften wir weiter fahren.

Heike und Nicole hatte ich im Motel 6 eingemietet, mit Swimming Pool und Pancake Restaurant gleich nebenan. Ich machte mich auf den Weg nach Mexico.






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