MISSOURI FOXTROTTER IN SACHSEN
Ein Reisebericht aus deutschen Landen!

NEWS: Die Foxtrotter vom Hof Andrä sind auf den Louisenhof umgezogen! Weitere Infos gibt es auf den Ranch-Seiten!

beim Reitunterricht Eine Anzeige in der "Cavallo" machte mich neugierig: "Wanderreiten in Sachsen... mit Missouri Foxtrottern." Seitdem ich in Nebraska und Arizona auf Foxtrottern reiten konnte, schwärme ich von dieser Rasse. Und nun bietet jemand Wanderritte mit Foxtrottern an? DAS musste ich mir anschauen!

Ein paar Telefonate und es war ausgehandelt, Anfang Juli besuche ich den Hof, um Leute, Pferde und Landschaft kennen zu lernen. Hier ist nun mein Reisebericht:

Freitag Abend... "Plan A" war, mal früh schlafen zu gehen, in der Hoffnung, dass nicht noch Leute gegen Mitternacht anrufen, um sich nach Ranchurlaub zu erkundigen. Dann, 22 Uhr, Telefon! AUA! Nein, keine Reiseberatung, aber ein Webseitenkunde meinte, man sollte nun mal die Feinheiten der Webseiten absprechen. Und so war ich bis weit nach Mitternacht mit Telefonieren und Webseiten-schrauben beschäftigt. Gegen 2:30 Uhr habe ich dann gestreikt! WHOA! Ich muss noch frühstücken (das Frühstück vom FREITAG stand noch aus), duschen, packen, kurz nach 4 Uhr sollte mein Zug gehen.

Sonnabend... Als endlich alles beisammen war fiel mir auf, dass ich laut Webseite der Bahn zum Zoo sollte, um dann in einen Zug einzusteigen, der erst anderthalb Stunden später in Lichtenberg abfahren sollte. Oooops, also brauchte ich mich nicht beeilen sondern konnte gemütlich nach Lichtenberg fahren.

Da war natürlich (noch) kein Fahrkartenschalter geöffnet und ich hatte gut mit dem Fahrkarten-Automaten zu kämpfen, der meine ec-Karte nicht erkennen wollte. Auf den letzten Drücker rannte ich zum Bahnsteig. Ja, der Zug nach Dresden war unten an der Treppe angeschrieben. Schnell hoch und noch mal geschaut, ja, da stand auch "Dresden". Rein in den Zug... und nixx passierte. Noch mal geschaut... Huuuuuch? Wieso stand da auf einmal "Binz"? Schnell raus und jemanden fragen!

Ja, der Zug nach Dresden ist pünktlich abgefahren. WAS? Hier stand aber überall "Dresden" dran! Und genau da, wo "Dresden" stand, da bin ich eingestiegen! April, April, die Hälfte des Zuges war der Nachtzug nach Binz. Was nun??? ... "Pech", meinte man... "Da hätten Sie noch mal am Zug selbst schauen sollen, DA stand Binz dran." Na, schönen Dank auch! Schnell zum Ostbahnhof, inzwischen hatte ich gut Hunger und Durst, aber die Preise ließen mich Hunger und Durst erst mal vergessen. "Die spinnen doch!" dachte ich, als ich eine klitzekleine Cola-Flasche für EUR1,60 sah... Doch dann, das goldene M... jau! Frühstück war gerettet. Zwar auch nicht so gut wie zu Hause oder in USA, aber essbar. Dann schnell zum Zug, NOCH einen wollte ich nicht verpassen!

Die Fahrt nach Dresden habe ich sauber verschlafen und wachte erst kurz vor Dresden Hauptbahnhof auf. Weiter nach Meißen und dann nach Deutschenbora. Unterwegs wunderschöne Landschaft, bewaldete Hügel wechselten sich mit Weiden und kleinen Ortschaften ab. Dann endlich mein Ziel, Deutschenbora.

Ich stieg als einziger Fahrgast aus, am Bahnhof stand nur ein Auto. Ja, es war mein Abholer, Peter. Wir fuhren zum Hof. Wow, ein Riesenteil! In der unteren Etage Stall, drüber Scheune, dann Wohnung. Auf der anderen Seite des Hofs unten Gästezimmer und Reiterzimmer (im Aufbau), oben eine riesige und super eingerichtete Wohnung, und zwei Gästezimmer. Ein kleines und ein megasupertolles Gästezimmer mit Wahnsinns-Doppelbett, Fernseher, Couch... einfach Klasse...


Ich hab’ nur schnell meine Sachen abgeworfen, dann nahm mich Anita mit auf Hof- und Weidenrunde. Eine schwarze Stute mit Fohlen lauerte schon darauf, auf die Weide gelassen zu werden. Die Beiden waren nachts in einem kleinen Auslauf mit Unterstand. Wir sammelten sie ein und machten uns auf den Weg zu den anderen Pferden. Die perfekt eingezäunten Weiden mit saftigem Gras sind ein Paradies für die Pferde!

Und da waren sie, eine bunte Truppe... Füchse, Rappen, Foxtrotter, ein Kaltblutmix und eine Marzipankugel (Norweger) :-) ... Nanu, kamen mir da nicht ein paar Neesen etwas bekannt vor? Klaro... Booger und Sunshine kannte ich von ihrem Vorbesitzer, wo ich die Verkaufspferdefotos gemacht hatte... Kleine Welt...

Auf einmal schlechtes Wetter... ein Landregen vom Feinsten. Wir verkrümelten uns ins Haus und machten erst mal Mittagspause. Dann wieder Sonnenschein. Ab zu den Pferden! Da ich es erst mal gemütlich angehen wollte gab mir Anita eine Fuchsstute, die "bombensicher" sein sollte. Wow, was für ein Pferd!

Nach ein paar Runden auf dem Reitplatz hatten wir uns eingefuchst :-) und es ging ab ins Gelände. Eine super Tour, obwohl es anfangs eine Strasse entlang ging. An einer Brücke wollte Sunny streiken. "Da gehe ich nicht drüber!" Mein Pferd verdrehte schon die Augen und konnte gar nicht verstehen, was da an der Brücke so schlimmes sein sollte. Schließlich war Sunny drüben und mit einem tiefen Seufzer ("ENDLICH!!!") konnten wir auch über die Brücke.

Wir sind tolle Waldwege geritten, dann einen Wiesenweg entlang galoppiert. Dort habe ich die Kleine mal richtig laufen lassen und man konnte spüren, wie es ihr Spaß machte. Sie fragte immer an, ob sie wirklich NOCH schneller darf, kurz die Schenkel ran, ab ging die Post...

Dann wieder eine Strasse... Anita meinte, im Rapsfeld wäre eine Trecker-Spur, wo man toll reiten kann. Tja, der letzte Regen / Sturm hatte aber alles umgedrückt und so endete die Treckerspur schon nach ein paar Metern. Erst sah es aus, als könnten wir locker durch, aber dann wurde es immer schwieriger für die Pferde und schließlich hopste meine Kleine wie ein Känguru.

Bei der zweiten Sprungserie hab; ich irgendwie das Horn auf die Hand gehauen bekommen und hab die nächsten 5 Minuten erst mal meine Daumen festgehalten und Sch***** gerufen... Aber dann ging’s wieder und wir wechselten uns damit ab, einen Weg aus dem Feld zu finden. Bis zur Strasse waren es nur ein paar Meter, aber mein armes Ross war paddelnass, als wir endlich da raus waren. Zum Glück war es nicht mehr weit bis nach Hause.

Unterwegs hatte ich immer mal getestet, was passiert, wenn Anita schon weiter reitet und ich nixx mache. Mein Pferd stand und schaute nur in die Richtung, in die Anita verschwand. Wartete auf mein Startzeichen und sockte ganz gesittet los. Ich war total von meinem Pferdchen begeistert! Und hoffte, es am nächsten Tag auch noch mal reiten zu dürfen.

Abends saßen wir auf der "Terrasse", mitten im Hof eine Bauminsel mit einer Sitzecke und Grillplatz. Peter hatte uns schon ein wunderbares Abendessen gezaubert. Dann weihten wir die Reiterstube ein. Da es außer Tisch und drei Stühlen dort noch nichts gab fand es Anita nicht so unbedingt toll dort und wir zogen um ins wesentlich gemütlichere Esszimmer, gleich neben der Küche.

Von der Küche kann ich auch nur schwärmen!
Was soll ich da schreiben? schaut Euch doch einfach die Fotos an ... :-) ...

Sonntag...
Mit zwei kleinen Jungs auf dem selben Flur dachte ich, dass ich keinen Wecker brauche. Denkste... 8:30 Uhr war Frühstück angesagt, ich wache auf...Ooooops, 9:00 Uhr! Nixx wie raus aus den Federn, schnell ins Bad und dann in die Küche. Da waren sie schon beim Frühstücken. Sie wollten mich nicht wecken, weil ich doch Gast sei und noch Schlaf nachzuholen hätte. Stimmt, aber ich wollte auch pünktlich beim Reiten sein...

Am Sonnabend hatte Peter, Anitas Mann, gelästert, ich solle die Memmie reiten. Die sieht aus wie ein zu groß geratener Isländer, hat eine witzige Puschel-Mähne und einen ziemlich verschlafenen Ausdruck um die riesigen braunen Kulleraugen. Aber beim Reiten geht sie ab wie eine Rakete. Nun ja, das musste nicht unbedingt sein... Dachte ich jedenfalls...

Pferdeverteilung. Ich hoffte immer noch auf mein braves Ross vom Vortag, aber die hatte am Nachmittag noch zwei Reitstunden zu absolvieren. Also fiel sie schon mal raus. Ich konnte mir dann aussuchen, wen ich reiten möchte, Sunshine oder... Memmie... Anita hatte Sunny am Sonnabend geritten und er hatte im Gelände manchmal ziemliche Haken geschlagen. Das wollte ich mir nicht unbedingt antun. Also? Da blieb mir nur die Memmie...

Putzen satteln (das Sattelzeug ist übrigens vom Feinsten!), aufsteigen... Überraschung... Peter sockte schon mit seinem Booger über den Hof und ich erwartete, dass Memmie auch los will, aber sie stand wie eingemauert. Selbst als Scarlett, das Pferd von Anita, mit stänkern anfing, da blieb sie ruhig stehen.

Dann ging es los... Peter mit seinem Booger sauste vornweg, Anita und ich wechselten uns ab. Es ging wieder die Strasse entlang, dann an einer Wiese, schließlich einen Steilhang runter. Ich war von Memmie echt begeistert, wie souverän sie den Hang runter marschierte. Ohne jegliche Hektik und immer aufmerksam. Auf halber Höhe wollte sie Pinkelpause machen, hat es sich dann aber doch noch anders überlegt, die gute...

Unten dann, doch endlich Pinkelpause, inzwischen waren die anderen außer Sichtweite, aber mein Pferd quetschte sich ganz gesittet durchs Gebüsch und zottelte gemütlich zu den anderen, die schon auf dem Weg an einem Wiesenrain entlang waren.

Weiter ging es durch einen Wald, zu einer Mühle, wo wir kurz andocken wollten, etwas trinken. Dort hatten sie auch etliche Pferde, riesige braune Warmblüter und niedliche kleine Rennmäuse, Ponies. Peter war wieder ein paar Meter voraus, wir ritten um einen Hundezwinger und ein großer weißer Hund erschreckte unsere Pferde. Sie machten synchron einen Satz zur Seite und standen dann aber gleich wieder.

Es gab einen Anbindebalken für die Pferde, bis ich mich aus meinen Chaps geschält hatte und den Fotoapparat aus den Satteltaschen geholt hatte, da war die Memmie schon wieder lose. Ah ja, ein Entfesselungs-Pferd. Also ein Fall für den Spezial-Sicherheitsknoten... Ich hatte definitiv keine Lust, mich zu Fuß auf den Heimweg zu machen.

Der ganze Hof sah frisch renoviert aus. Kein Wunder, der kleine Bach hatte beim letzten Hochwasser das ganze Tal überflutet und alles stand so ca. 1,20 Meter unter Wasser. An der Fassade konnte man noch sehen, wie hoch das Wasser da stand. Oooooops...

Als der Wirt kam und uns die Speisekarte brachte, da war Anita grad’ auf der Toilette. Der Wirt guckte ganz verdutzt. Oooops, Peter, ja, den kannte er. Aber was macht er da mit einer fremden Frau? Wir haben herrlich abgelacht.

Nach einer kleinen Mahlzeit machten wir uns wieder auf den Weg. Am Hundezwinger hielt Scarlett an, auch Memmie wartete, bis der Hund uns ankläffte, dann machten beide wieder ihren Synchron-Satz und gingen ganz ruhig weiter. Nun ritten wir wieder in einer Treckerspur, wow! Galopp "bis zum Abwinken" und ich merkte, was die Memmie für eine Power hat! Sie war aber immer gut zu regulieren.

Dann wieder ein Stück Strasse, Peter walkte mit seinem Booger voraus und Memmie wollte im Galopp hinterher. Das war mir aber doch etwas zu happig, vor allem, weil wir ja auf einer Asphaltstrasse ritten. Und Memmie fing schon an, sich einzurollen. "Haaaaaaaalt!" Peter lachte, als er sah, wie Memmie versuchte, los zu sausen, und machte eine Weile langsam. Memmie hatte sich ziemlich schnell wieder eingekriegt und so konnten wir wieder flotter los.

Dann waren wir wieder zu Hause. Pferde versorgen, Kaffee trinken, ein paar Sachen bequatschen. Dann kam Bärbel nach Hause, die auf einem Seminar war. Sie fragte so locker, welche Pferde ich geritten hätte, und guckte etwas überrascht, als sie hörte, dass ich die Memmie hatte. Dann kam Peters Tochter und auch sie war überrascht, als sie hörte, welches Pferd ich hatte. Hmmm, sie geben die Rakete wohl nicht so oft an "Neureiter" raus... Ein Anfänger wäre mit Memmie auch echt überfordert.

Dann kamen die ersten Reitschüler und ein Mädel, dass bei Bärbel Reittherapie macht. Wir waren so schön beim quatschen und Fotos gucken, auf einmal war es schon fast 17 Uhr und mein Zug ging kurz nach 18 Uhr. Oooops... Also hieß es schnell packen, auf den Reitplatz sausen und sich von Anita und Bärbel verabschieden, dann hat mich Peter wieder zur Bahn gebracht.

Dieses Mal verlief die Fahrt ohne Hindernisse und so war ich gegen 23 Uhr zu Hause. Und ich hoffe, dass das nicht der letzte Besuch dort war... Schauen wir mal... Und jetzt kann ich Euch diesen Urlaub auf dem Hof Andrä auch anbieten: stationären Reiturlaub mit Reitunterricht und Ausritten (nicht für absolute Anfänger) sowie Wanderritte. Mit Missouri Foxtrottern!



PS: Wollt Ihr weitere Fotos sehen?
Hier ist die Slideshow!

Es gibt Fotos vom Hof, von den Bauarbeiten (2004 wurden Reiterstübchen und weitere Gästezimmer gebaut, inzwischen ist das alles fertig, ebenso die Ferien-Wohnung!), vom Gästezimmer, von der Landschaft und natürlich von den suuuuper Pferden...




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